Einwanderung: Türkei immer weniger Transitland

Für viele illegale Einwanderer aus dem Nahen und Mittleren Osten ist die Türkei noch immer das Tor zu Europa. Doch in den vergangenen Jahren wollen immer mehr Einwanderer die Türkei nicht nur als Transitland nutzen. Immer häufiger ist sie Endziel der Einwanderer. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor.

62 Prozent der Einwanderer wollen über die Türkei nach Europa, während 28 Prozent in der Türkei bleiben wollen. Und diese Zahl steigt rasant. Türkische Sicherheitskräfte nahmen 2009 rund 27.710 illegale Immigranten fest, 2011 waren es bereits 35.709 illegale Einwanderer.

Die Studie des Internationalen Zentrums für Terrorismus und grenzüberschreitende Kriminalität (UTSAM) mit dem Titel: „Illegale Immigration und Immigranten in der Türkei: Charakteristiken, Methoden und Profile“ wurde am Montag auf dem Campus der Ankara Polizei Akademie vorgestellt.

Von 2009 bis 2011 wurden hierzu in 14 türkischen Provinzen Informationen gesammelt. Es wurden Gespräche mit 86 illegalen Migranten, 54 Menschenschmugglern und 75 Experten geführt. Daneben wurden Daten von 1.334 illegalen Immigranten und 106 Menschenschmugglern erhoben.

Istanbul oder Izmir bei Illegalen besonders beliebt

Die meisten der illegalen Einwanderer, die in der Türkei auf ein besseres Leben hoffen, lassen sich in großen Städten wie Istanbul oder Izmir nieder. Es sind für gewöhnlich junge Männer. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 26 Jahren. Sie verfügen meist über ein geringes Einkommen und einen niedrigem Bildungsstand. Ein Viertel der illegalen Einwanderer kann weder lesen noch schreiben. Sie kommen am häufigsten aus Afghanistan und gelangen auf dem Land- und Seeweg in die Türkei, wo sie dann meist im Bausektor arbeiten (auch in der EU herrschen Ängste, dass mit einem Beitritt der Türkei ein Ansturm arabischer Flüchtlinge hereinbrechen könnte – mehr hier).

Der Studie zufolge mischen sich auch PKK Terroristen unter die illegalen Einwanderer, um so in die Türkei gelangen zu können. Außerdem erpresse die PKK Geld von den Menschenschmugglern für den Durchlass der illegalen Einwanderer über die türkische Grenze – eine bedeutende Einnahmequelle für die Organisation. Denn die meisten der illegalen Einwanderer reisen über Grenzabschnitte in die Türkei ein, die überwiegend vom Terrorismus betroffen sind. Das sind mehrheitlich Provinzen wie Van, Ağrı, Şırnak, Hakkari und Iğdır im Osten und Hatay im Süden. Rund 85 Prozent der Immigranten beanspruchen dabei die Hilfe von Menschenschmugglern und zahlen für ihre Überführung durchschnittlich pro Kopf 10.000 US-Dollar. 2011 betrug der Profit durch Schleuserkriminalität daher 304 Millionen US-Dollar. Bekämpft man die illegale Einwanderung, hat dies auch eine positive Auswirkung auf die Bekämpfung des Terrorismus, so die Studie.

Einwanderung: Türkei und EU müssen gemeinsam ran

Uneinigkeit herrscht allerdings darin, wer die Verantwortung für die Einwanderungen trägt. Während die EU der Türkei vorwirft, sie würde der Einwanderung aus dem Osten nicht entschieden genug entgegen treten, vertritt die die Türkei den Standpunkt, dass diese Aufgabe nicht allein ihr zufallen könne (Präsident Abdullah Gül vertritt zudem die Ansicht, die Ausländerpolitik der Bundesrepublik sei rechtswidrig – mehr hier). Nach Ansicht der Türkei bedarf es vielmehr internationaler Kooperation, um dem Problem zu begegnen.

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