Türkische Wissenschaft: Keine Gleichstellung der Geschlechter

Obschon die Anzahl türkischer Akademikerinnen stetig zunimmt, ist die Zahl jener, die in höheren Positionen an türkischen Universitäten tätig sind, noch immer äußerst gering. Darauf weist Gökhan Çetinsaya, Präsident des Hochschulrates der Türkei, hin.

Um das derzeit herrschende Ungleichgewicht von Männern und Frauen an türkischen Hochschulen zu demonstrieren, hielt Çetinsaya gleich eine ganze Reihe von Zahlen parat. Demnach sind rund 47 Prozent der Forscher in türkischen Hochschulen, 35 Prozent der Juniorprofessoren und 31 Prozent der Professoren weiblich. Auf der anderen Seite gäbe es unter den 165 Rektoren an türkischen Universitäten lediglich neun Frauen ( an der Universität von Ege hat ein Professor Studentinnen mit Kopftuch daran gehindert das Gebäude zu betreten – mehr hier).

Chancengleichheit muss für beide Geschlechter gegeben sein

Im Rahmen der dritten Europäischen Hochschulrektorinnen-Konferenz, die vom 21. bis 23. Mai stattfand, erklärte Çetinsaya, dass Geschlechtergleichstellung in echten Demokratien obligatorisch sei und dass die gleichberechtigte Vertretung von Frauen in der Gesellschaft gesichert werden müsse. Seiner Ansicht nach gelte es, Hindernisse für Frauen aus dem Weg zu räumen. Für beide Geschlechter müsse Chancengleichheit gegeben sein – vor allem im Hochschulbereich (mehr als 50.000 Schüler haben beim diesjährigen Uni-Aufnahmeverfahren total versagt – mehr hier).

In diesem Zusammenhang wies der Präsident des Hochschulrates darauf hin, dass das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Studenten in den türkischen Universitäten fast gleich wäre. Er könne allerdings nicht behaupten, dass dies auch für die Anzahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter gelte.

Die meisten türkische Akademikerinnen ohne hohe Titel

Mehr als 80 Rektoreninnen und Vize-Rektoren haben sich in Istanbul getroffen, um während eines Symposium Gender-Fragen der akademischen Welt zu diskutieren. „Die Zahl der Akademikerinnen in der Türkei ist viel höher als in vielen europäischen Ländern. Es gibt mehr als 100.000 wissenschaftliche Mitarbeiter in der Türkei. Fast die Hälfte von ihnen sind weiblich, aber ihre akademischen Titel sind nicht hoch“, fasst Çetinsaya die Situation zusammen (einige Schullehrbücher in der Türkei sind immer noch frauenfeindlich – mehr hier).

Die erste und die zweite Konferenz zum Thema „Women Academics Beyond the Glass Ceiling: Rektorinnen in ganz Europa“ wurden am 11. November 2008 und vom 12. bis 14. April 2010 von der Technischen Universität Istanbul organisiert und veranstaltet. Im Rahmen dieser Zusammenkünfte tauschten die Teilnehmer ihre Erfahrungen aus und entwickelten neue Ideen, um die Bedingungen für Akademikerinnen zu verbessern und Hindernisse für die horizontale und vertikale Segregation zu beheben. Die Teilnehmer dieser Konferenzen vereinbarten die Förderung dieses Austausches und den Aufbau eines Netzwerks, das in Zukunft regelmäßig ähnliche Konferenzen vorsieht.

Ziel der aktuellen Konferenz war es, die Errungenschaften, Herausforderungen und Chancen zu prüfen, die Rektorinnen in ihren Positionen erleben sowie die Strategien zu diskutieren, die angewendet werden können, um ihre Situation zu verbessern. Dabei wurden verschiedene internationale Handhaben und Politiken miteinander verglichen. An der Auftaktveranstaltung am vergangenen Montag nahm auch die türkische Familien- und Sozialministerin Fatma Şahin teil. Ebenso mit dabei war Heidi Schelhowe, Konrektorin für Lehre und Studium an der Universität Bremen.

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