Streit um Eurovision: Iran zieht Botschafter aus Aserbaidschan ab

Künstlerischer Wettstreit mit knallharten politischen Folgen: Der Iran hat seinen Botschafter in Aserbaidschan, Mohammad Bagher Bahrami, abberufen, nachdem Baku den Iran beschuldigt hat, im Zuge des Eurovision Song Contests eine anti-aserbaidschanische Kampagne durchgeführt zu haben.

Präsidentenberater Ali Hasanov, so berichten die türkischen Medien, beschuldigt das Nachbarland Iran falsche Gerüchte zu verbreiten. Konkret geht es um eine Homosexuellen-Parade, die angeblich in dieser Woche, der Zeit des Eurovision Song Contest 2012, in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku abgehalten werden soll.

„Sie sprechen über etwas, das nicht existiert. Wir tragen den Eurovision Song Contest aus und keine Homosexuellen-Parade“, stellt Hasanov während einer Pressekonferenz heraus. Tatsächlich gäbe es in der aserbaidschanischen Sprache überhaupt kein Wort für eine Homosexuell-Parade, anders als in deren Sprache, wettert er weiter. Er beschuldigt den Iran „eifersüchtig“ auf den wirtschaftlichen Erfolg und beunruhigt über die weltliche Regierung Aserbaidschans zu sein.

Hunderte protestieren in Baku gegen Gerüchte aus dem Iran

In diesem Monat zirkulierten auf iranischen Internetseiten unbestätigte Gerüchte, wonach im muslimischen, aber offiziell säkularen Aserbaidschan während des Eurovision Song Contests eine Homosexuellen-Parade stattfinden würde. Zum Abzug des iranischen Botschafters und der Erklärung Hasanovs war es nun gekommen, nachdem Hunderte Aserbaidschaner aus verschiedenen Organisationen und Jugendbewegungen in der Nähe der iranischen Botschaft in Baku zu einer Demonstration zusammengekommen waren. In ihren Augen ist das, was sich im Netz abspielt eine „inakzeptable Unterstützung“ durch den Iran für Armenien, einem Nachbarland, das seit den frühen 1990er Jahren 20 Prozent des aserbaidschanischen Territoriums besetzt hält (Armenien boykottiert auch den Wettbewerb – mehr hier). Sie forderten Teheran auf, solche Äußerungen gegen Aserbaidschan unverzüglich einzustellen. Während der Protestaktion beschrieben die Demonstranten Aserbaidschans südlichen Nachbarn als eine „Bedrohung“.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass Mohammad Bagher Bahrami das Land am Dienstag für „Beratungen“ verlassen hat. Andere Quellen geben an, dass er bereits am Montag gegangen ist. Wann er wieder zurückkommen wird, ist nicht bekannt. Ohnehin sind die Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Iran in den letzten Monaten sehr angespannt. Teheran beschuldigt Aserbaidschan der Unterstützung des israelischen Geheimdienstes bei der Ermordung eines iranischen Atomwissenschaftlers. Im Februar und März wiederum führte das aserbaidschanische Ministerium für Nationale Sicherheit mehrere verdeckte Operationen durch, um zu zeigen, dass iranische Spione und Geheimagenten in Baku waren, um dort Vorbereitung für terroristische Handlungen treffen. Auf der anderen Seite spekulierte Teheran mittels zahlreicher Medienberichte, dass Aserbaidschan eventuell Verhandlungen über die Vermietung seiner Flugplätze an Israel für einen möglichen Luftangriff auf iranische Atomanlagen führen könnte. Das letzte Mal, das iranische Behörden ihren Botschafter aus Baku abberiefen war während des Besuchs des israelischen Präsidenten Shimon Peres in Aserbaidschan im Jahr 2009.

1. Halbfinale: “Buranovskije Babushki” sind weiter

Unterdessen hat in der Crystal Hall von Baku am vergangenen Dienstagabend das erste Halbfinale des Eurovision Song Contests mit 18 Teilnehmern stattgefunden (der deutsche Teilnehmer Roman Lob zog direkt ins Finale – mehr hier). Für das Finale am kommenden Samstag haben sich qualifiziert: Rumänien, Moldawien, Island, Ungarn, Dänemark, Albanien, Zypern, Griechenland, Russland und Irland. Der türkische Kandidat, Can Bonomo, muss am kommenden Donnerstag im zweiten Halbfinale antreten.

Hier ein Eindruck von der Atmosphäre hinter den Kulissen des Wettbewerbs:

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