Türkischer Innenminister: Befehl für Uludere Angriff erfolgte durch Top-Militärs

Erst am vergangenen Dienstag hatte BDP-Vorsitzender Selahattin Demirtaş die Regierung kritisiert, bei der Aufklärung des Uludere-Fehlangriffs im vergangenen Dezember zu versagen. Jetzt meldet sich Innenminister İdris Naim Şahin zu Wort und erklärt: Der Luftangriff sei von Top-Kommandeuren der türkischen Luftwaffe erteilt worden.

Laut Şahin hätten Top-Militärs in Ankara die übermittelten Bilder der US-Drohne beobachtet und analysiert. Damit trat er Medienspekulationen entgegen, die behaupteten, dass auch die türkische Regierung Vorabinformationen erhalten hätte (eine umbemannte Drohne hatte die Gruppe an der irakischen Grenze entdeckt – mehr hier).

Wie Şahin jetzt unterstrich, seien es weder der Präsident, noch der Premierminister noch der Chef des Generalstabs gewesen, die den Befehl erteilt hätten diesen Luftangriff zu fliegen. Er fügte hinzu: „In einer solchen Situation, sind es das Militär und die Polizeibeamten, die [die Bilder] analysieren, wenn sie ankommen. Die Offiziere, die die Bilder analysiert haben, sind diejenigen, die den Auftrag für den Luftangriff gaben.“

Şahin: Bewohner von Uludere von Terror-Organisationen benutzt

Kritik gab es vom Minister allerdings nicht nur in Richtung der Medien, sondern auch in Richtung der Bewohner von Uludere. Noch einmal wies er darauf hin, dass die 34 getöteten Zivilisten Waren über die irakische Grenze geschmuggelt hätten, als sie angegriffen wurden. Nach Ansicht von Şahin würden die Dorfbewohner und die Menschen in den umliegenden Gebieten von terroristischen Organisationen benutzt.

Şahins Ausführungen folgen den jüngsten Äußerungen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, der erst am vergangenen Montag Behauptungen zurückgewiesen hat, dass seine Regierung Vorab-Informationen über militärische Pläne zur Durchführung eines Luftangriffs auf eine Gruppe von Zivilisten in Uludere im vergangenen Dezember hatte, nachdem sie mit Terroristen der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK verwechselt wurden.

Keine Entschuldigung: 123.000 Lira müssen reichen

Das Bombardement am 28. Dezember 2011 hatte für weitreichende Empörung in der gesamten Türkei gesorgt, als klar wurde, dass hier einzig Zivilisten ums Leben gekommen waren und eben keine Terroristen. Die türkische Armee erklärte, dass man die Gruppe für Angreifer gehalten habe, die ihrer Ansicht nach Attacken auf das Militär ausführen wollte. Anfang dieses Jahres zahlte die Regierung allen Familien der Opfer je 123.000 Lira Entschädigung. Eine Entschuldigung für den Angriff wurde jedoch abgelehnt und man verwies darauf, dass die gezahlte Summe als solche gelten könne.

Ebenfalls in dieser Woche hatte Selahattin Demirtaş, Vorsitzender der Barış ve Demokrasi Partisi (BDP), die kurdischen Mitglieder der regierenden AKP aufgefordert, ihre Mitgliedschaft aufzukündigen. Im Zuge seiner Kritik an der Regierung hinsichtlich des Fehlangriffs in Uludere fragte er: „Wie lange wollen Sie Teil dieses Massakers sein?“ (der BDP-Vorsitzende fürchtet weiteres Blutvergießen – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Ruf aus der BDP: Kurden sollen die AKP verlassen!
US-Geheimdienst lieferte Hinweis für Uludere-Fehlangriff
Uludere-Fehlangriff: Türkei zahlt Rekord-Entschädigung von rund 50.000 Euro für jede Opfer-Familie

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.