Ramadan Dilemma: Muslimische Athleten haben bei Olympischen Spielen das Nachsehen

Groß war der Jubel vor gut zwei Wochen: Erstmals konnten die türkischen Volleyballerinnen ein Olympia-Ticket lösen. Doch wie viele andere muslimische Athletinnen und Athleten stehen sie nun vor einem Problem: Die Olympischen Sommerspiele in London kollidieren mit dem Fastenmonat Ramadan.

Ab dem 27. Juli geht es in der britischen Metropole hoch her: Die Olympischen Sommerspiele nehmen ihren Lauf. Dabei könnte der Termin für gläubige Sportler, die den Fastenmonat Ramadan begehen, nicht ungünstiger sein. Dieser beginnt in diesem Jahr am  20. Juli und dauert bis zum 18. August. Damit liegt er genau in der Wettkampfszeit. Schätzungsweise 3000 muslimische Sportler sind in diesem Jahr davon betroffen. Für sie ist nun guter Rat teuer (London hat jedoch noch ein anderes Problem, es wird befürchtet, dass das Internet auf Grund der hohen Belastung ausfallen könnte – mehr hier).

Fastenmonat: Muskelkraft schwindet, Leistung geht zurück

Medizinische Fachleute sind der Ansicht, dass, zumindest theoretisch, eine Verringerung der Nahrungsaufnahme während des Ramadans bei den Athleten die Leber-und Muskel-Glykogenspeicher erschöpfen könnte. Die dramatische Folge ausgerechnet während des wichtigsten Wettkampfes: Die Leistung geht zurück – und das vor allem in Sportarten, die eine hohe Muskelkraft erfordern (Profi-Fußballer sind übrigens vom Fasten befreit – mehr hier).

Die Arbeitsgruppe für Ernährung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) befasste sich mit diesem Problem bereits im Jahr 2009. Damals kamen die Fachleute zu dem Schluss, dass das Fasten während des Ramadans tatsächlich problematisch für einige dieser Spitzensportler in bestimmten Disziplinen sein könnte. Wie sich der Fastenmonat in London auswirken werde, darüber ist man sich allerdings nicht im Klaren (generell sollten Jugendliche, die fasten, sich einem Medizin-Check unterziehen – mehr hier).

Spiritueller Effekt: Athleten erzielen bessere Leistung

Ronald Maughan, Sportwissenschaftler von der britischen Loughborough University und Vorsitzender der IOC-Arbeitsgruppe, stimmt de Befürchtungen zu, dass einige körperliche Veränderungen wahrscheinlich sind. Er wies aber auch darauf hin, dass der heilige Fastenmonat den Gläubigen auch mentale und spirituelle Disziplin abverlange, deren Auswirkungen nicht unterschätzt werden sollten. „Einige muslimische Athleten sagen, dass sie während des Ramadans sogar eine bessere Leistung erzielten, selbst wenn sie fasten würden, weil es eine sehr spirtiuell Zeit für sie sei“, so Maughan (Der Fastenmonat Ramadan erinnert den Menschen daran, wie gut es ihm geht und regt ihn so dazu an, anderen zu helfen – mehr hier).

Eine im Jahr 2010 veröffentlichte Studie im „British Journal of Sports Medicine“ (BJSM) kam jedoch zu dem Schluss, dass das „Fasten im Ramadan einen nachteiligen, wenn auch kleinen Effekt auf die Leistung hat“. Getestet wurde dies übrigens während einer 60-minütigen Belastung auf dem Laufband mit mäßig trainierten muslimischen Männern.

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