Drama am Mount Everest: Israelischer Bergsteiger rettet türkischen Kollegen

Er war nur wenige Meter vom Gipfel entfernt, dennoch machte ein israelischer Bergsteiger kehrt, um einem verletzten türkischen Kollegen zu helfen. Das Leben des anderen zu retten war ihm wichtiger als der sportliche Wettkampf.

Hätte sich der 24-jährige Nadav Ben-Yehuda entschieden in der bitterkalten Nacht des 19. Mai weiter zu klettern, wäre er der jüngste Israeli gewesen, der jemals den Everest-Gipfel erklommen hätte. Der junge Mann entschied sich jedoch anders. Als er den 46-jährigen Aydın Irmak leblos auf einem eisigen Grat vorfand, war das Rennen für ihn und seine Begleiter vorbei.

„Als wir meinen Freund Aydın entdecken, gab es für uns keine Frage“, erinnert sich Ben-Yehuda im Gespräch mit der „Jerusalem Post“ an die entscheidenden Sekunden. Bevor er den Türken sah, war er bereits an zwei Leichen vorbeigekommen, die von einem Kletterseil abgetrennt waren. „Das hat meine Pläne wirklich geändert.“ Kurzentschlossen warf er Irmak über seine Schultern und machte sich gemeinsam mit seinem Sherpa-Führer auf den achtstündigen Rückweg ins Camp IV (nicht ganz so einfach gestaltete sich die Rettung bei einem Brückenunglück in der Türkei – mehr hier).

Spärliche Ausrüstung: Keine Handschuhe, kein Sauerstoff

Angeblich hat Ben-Yehuda die lange Wanderung im Eis ohne Handschuhe gemacht, da sie die Rettung behindert hätten. Auch zusätzlichen Sauerstoff hatte der Bergsteiger nicht zur Verfügung. Seine Maske war bereits zu Bruch gegangen. „Sie fühlen es nicht sofort“, beschreibt er das Gefühl ohne Sauerstoff zu klettern. Ein Zustand, der sich jedoch schnell ändert. „Dann fühlt man sich permanent der Ohnmacht nahe.“

Für Ben-Yehuda war die Wahl seinen Freund zu retten und auf den Ruhm zu verzichten, wie er selbst sagt, einfach. „Aydın begann mit dem Aufstieg einen Tag vor mir. Ich fand ihn auf dem Weg nach unten. Ich beschloss, nicht aufzusteigen. Das war die Idee und es hat funktioniert, weil wir gerade gemeinsam zu Abend gegessen hatten.“

Türkischer Bergsteiger war dem Tode nahe

Der türkische Bergsteiger hat sich mittlerweile wieder etwas erholt. Auch er sprach mit der israelischen Zeitung über die Ereignisse am Mount Everest. In der Dunkelheit hätte er ohne Sauerstoff ausgeharrt. Das einzige, woran er sich erinnern könne, sei „Nadavs Stimme, die fragte: Aydin, Aydin, bist du da, Bruder? Kannst du deine Beine bewegen? Als ich wieder wach wurde, lagen um mich herum vier Leichen. Ich glaube, ich wäre auch fast gestorben. Nadav hat mein Leben gerettet.“ (das Photo des kleinen Yunus, der im vergangenen Jahr in Van zunächst gerettet wurde und dann verstarb, wurde kürzlich ausgezeichnet – mehr hier).

Für den Türken steht nach dem traumatischen Erlebnis auf dem höchsten Berg der Erde allerdings fest: Diesen Berg muss er noch einmal bezwingen – und zwar gemeinsam mit Ben-Yehuda. „Wenn die Chance kommt, werde ich wieder gehen. Ich habe keine Angst. Ich werde noch einmal mit Nadav klettern.“

Messner: Stoppt den „Massentourismus am Mount Everest“

Erst am vergangenen Wochenende hatte sich am 8.850 Meter hohen Mount Everest ein echtes Drama ereignet, das insgesamt vier Todesopfer, darunter auch ein 61-jähriger deutscher Arzt, forderte. Der bekannte Bergsteiger Reinhold Messner hat mittlerweile Konsequenzen im Himalaya-Gebirge gefordert. Seiner Ansicht nach muss dem „Massentourismus am Mount Everest“ unbedingt Einhalt geboten werden. Gegenüber dem „Kölner Express“ warnte er: „Solange jede 73-jährige Oma denkt, sie könnte den Mount Everest besteigen, wird es da oben auch Tote geben.“

Seit der Berg vor 57 Jahren offiziell für Bergsteiger geöffnet wurde, sind dort 250 Menschen gestorben. Allein für diese Saison haben die nepalesischen Behörden rund 330 Bergsteigern den Aufstieg genehmigt. Pro Tourist erhält das Land 10 000 Euro an Genehmigungsgeld. Nach den jüngsten Vorfällen wurden jedoch auch von ihnen Sicherheitsbedenken laut. Denn: Allein für das kommende Wochenende sollen sich 200 Bergsteiger angekündigt haben. Es wird darüber nachgedacht künftig Ärzte, Wetterexperten und Sicherheitskräfte in den Basislagern zu stationieren.

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