Mavi-Marmara: Israel bietet Angehörigen sechs Millionen Dollar

Israel soll angeboten haben, sechs Millionen Dollar an die Opfer der Erstürmung eines türkischen Hilfsschiffes durch israelische Militärs zu zahlen. Mit dieser Summe sollen Klagen gegen die Streitkräfte beigelegt werden. Von einem hochrangigen israelischen Beamten wird das allerdings dementiert.

Die Ereignisse auf der Mavi-Marmara haben das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel nachhaltig zerrüttet. (Foto: Free Gaza Movement/wikipedia)

Die Ereignisse auf der Mavi-Marmara haben das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel nachhaltig zerrüttet. (Foto: Free Gaza Movement/wikipedia)

Das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel hat durch die Ereignisse im Mai 2010 einen schweren Knacks erlitten. Damals waren bei der Erstürmung der Mavi-Marmara durch ein israelisches Kommando neun türkische Aktivisten ums Leben gekommen.

Ramazan Arıturk, einer der Anwälte, die die 465 Opfer und Angehörigen der Opfer vertreten, erklärte gegenüber Reuters, dass die israelische Regierung ihm schon vor über einem Monat einen Vorschlag über einen ausländischen Botschafter in Ankara zukommen ließ. Er erklärte, dass das Geld an eine jüdische Stiftung in der Türkei überwiesen werden soll, um von dort aus an die Opfer und ihre Familien ausgezahlt zu werden. Damit einher gehen solle ein Schreiben des ”Bedauerns” der israelischen Regierung (Israel erklärte im vergangenen Juli, dass die Tür zur Versöhnung zugeschlagen wäre – mehr hier). Die Angehörigen sollten im Gegenzug ihre Klagen zurückziehen. Die Anforderungen der Regierung würden so übergangen werden. Israelische Behörden dementieren die Berichte des Anwalts. Das Angebot des letzten Jahres, eine Entschädigung zu zahlen, ohne ein Schuldeingeständnis zu machen, sei nicht erneuert worden.

Anwalt und Außenministerium weißen Angebot zurück

“Ich sagte dem Botschafter, dass ich das Angebot weder für angemessen noch für moralisch halte. Ich habe das Thema auch mit den Opfern und ihren Angehörigen erörtert. Sie erklärten ebenfalls, dass sie das nicht akzeptieren könnten”, so Arıturk. Damit einverstanden zeigte sich auch das türkische Außenministerium. Hier ist man der Auffassung, dass Israel den direkten Kontakt suchen sollte.

Der Anwalt gab gegenüber den Medien weder die Identität des Botschafters noch den Namen der Stiftung preis. Eine Stellungnahme des türkischen Außenministeriums liegt bisher nicht vor. Wohingegen Mark Regev, Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, eine Stellungnahme sogar ablehnte.

Türkei fordert förmliche Entschuldigung von Israel

Nachdem ein UN-Bericht zum Vorfall im September letzten Jahres den jüdischen Staat weitgehend entlastet hatte (das Verhalten der Israelis wurde jedoch als übertrieben und unangemessen bezeichnet, gleichzeitig aber wurde die israelische Seeblockade des Gaza-Streifens als “rechtmäßig und angemessen” beurteilt – mehr hier), verwies die Türkei den israelischen Botschafter des Landes (ein drastisches Mittel im Repertoire der diplomatischen Gepflogenheiten – mehr hier) und fror alle militärischen Kooperationen mit dem ehemaligen Verbündeten ein.

Seither fordert die Türkei eine förmliche Entschuldigung von Israel nebst einer Entschädigung für die Opfer und die Familien der Toten. Bisher hat Netanjahu allerdings nur sein “Bedauern” zum Ausdruck gebracht. Am vergangenen Mittwoch hat die Staatsanwalt in Istanbul eine Anklageschrift eingereicht, die im Zusammenhang mit der Erstürmung der Flotilla lebenslange Haftstrafen für vier ehemalige israelische Militärs fordert. Darunter auch der Chef des Generalstabs zu jener Zeit.

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