Rache für Serap Eser: Molotow-Cocktail Werfer zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt

Die zehnte Kammer des Hohen Strafgerichtshofs von Istanbul hat zwei Männer zu verschärften lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Die beiden werden für den Tod eines jungen Mädchens verantwortlich gemacht. Während eines Protestzuges hatten sie einen Molotow-Cocktail auf einen Linienbus geworfen, in dem die 17-Jährige saß.

Der 8. November 2009 ist vielen Türken noch immer im Gedächtnis: Bei dem Anschlag auf dem Bus der Linie Söğütçeşme-Zeytinburnu, der von PKK-Anhängern verübt wurde, erlitt Serap Eser seinerzeit schwerste Verbrennungen. Eser, die gerade ihr letztes Schuljahr absolvierte, starb nach 29 Tagen hartem Überlebenskampf in einem Krankenhaus.

Bereits im November vergangenen Jahres stellte ein Gericht in Van fest, dass die geworfenen Molotow-Cocktails Schuld an ihrem Tod hätten. Diese seien als Waffen zu behandeln und verurteilte die beiden Männer im Zuge dessen wegen der „Belieferung einer terroristischen Vereinigung mit Waffen“ zu jeweils zwölfeinhalb Jahren Gefängnis. Der Prozess gegen die Verdächtigen, denen eine Beteiligung an dem Attentat, das zu Esers Tod geführt hat, vorgeworfen wird, war eines von zwei separaten, aber dennoch verwandten Fällen, welcher insgesamt sieben Verdächtige umfasst. Einige der mutmaßlichen Täter, die zum Zeitpunkt der Anschläge jünger als 18 Jahre waren, müssen sich vor dem Jugendgericht in Bakırköy verantworten. Die anderen Fälle werden am Hohen Strafgerichtshof verhandelt.

Immer wieder kommen unbescholtene Bürger durch Molotow-Cocktails zu Schaden

Fälle, in denen Personen durch Molotow-Cocktails zu Schaden kamen, die während Pro-PKK-Demonstrationen wild auf Fahrzeuge, Häuser, Geschäfte und Menschen geworfen wurden, gab es nicht wenige (Die unabhängige pro-kurdische Abgeordnete von Diyarbakı, Leyla Zana, ist an diesem Donnerstag zu zehn Jahren Haft verurteilt worden – mehr hier). Am 13. November vergangenen Jahres wurde ein Bus, der zu einer Hochzeit unterwegs war, in der Provinz Mersin mit einem Molotow-Cocktail angegriffen. Dabei wurde der Fahrer verletzt, alle Passagiere kamen  unbeschadet davon, darunter auch ein erst sechs Monate altes Baby. Erst einen Tag zuvor hatten pro-PKK-Demonstranten ein Haus in Brand gesetzt. Auch hier war ein Molotow-Cocktail im Spiel. Eine Frau und ihre beiden Kinder wurden aus dem Haus, das in einer schmalen Straße lag und keine Zufahrt für einen Löschzug bot, gerettet. Hier ließen die Demonstranten allerdings nicht ab. Selbst die Rettungskräfte wurden weiter mit Molotow-Cocktails und die Ersthelfer, die versuchten die Drei aus dem brennenden Haus zu retten, mit Steinen attackiert.

PKK-Attacken: Auch Kinder unter den Verletzten

Bei einem anderen Vorfall am 22. Oktober 2011 wurde ein Straßenverkäufer mit einem Molotow-Cocktail beworfen und erlitt dabei ebenfalls schwerste Verbrennungen. Der Vorfall ereignete sich als eine als eine Gruppe von PKK-Sympathisanten eine Bank  in Nusaybin überfallen wollte. Abdullah Doğan musste danach im Krankenhaus behandelt werden. Ebenfalls Ziel von Molotow-Cocktails war eine fünfköpfige Familie, darunter zwei Kinder und ein Kleinkind, am 11. November 2011. Auch damals fand im Istanbuler Stadtteil  Zeytinburnu eine PKK-Demonstration statt. Das Martyrium der Familie wurde von Kameras an einer nahe gelegenen Tankstelle aufgezeichnet (aus der BDP kam kürzlich der Ruf, Kurden sollten die AKP verlassen – mehr hier).

Doch dem nicht genug. Am 7. September 2011 befand sich der erst sechsjährige Serhat Özünal zuhause und schaute fern. Dabei saß er in der Nähe des Wohnzimmerfensters. Auch hier schlug ein Molotow-Cocktail ein, traf das Kind und führte zu schweren Verbrennungen am ganzen Körper. Etwas weiter zurück liegt ein anderer Fall: Am 27. Mai 2011 griffen PKK-Anhänger ein Wohnheim einer lokalen Imam-Hatip Schule in Cizre an. Drei Schüler wurden verletzt, darutner auch der 16-jährige Fehmi Fidan, der zur Behandlung nach Ankara geflogen werden musste.

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