Mit uns keine Zensur! Alle 33 Redakteure der türkischen „Hedef Halk“ kündigen

Weil der Eigentümer ein Protokoll zur Beschränkung der eigene Inhalte, die später in der Zeitung erscheinen sollen, unterzeichnet hat, haben alle 33 Mitarbeiter eines Blattes im Norden der Türkei das Handtuch geworfen.

Wie CNNTürk berichtet, hätten sich die Redakteure der „Hedef Halk“, die in der Schwarzmeer-Provinz Samsun veröffentlicht wird, allesamt dazu entschlossen, nicht länger für den Eigentümer des Blattes arbeiten zu wollen. Der hatte gemeinsam mit acht anderen Inhabern lokaler Zeitungen ein Papier unterschrieben, in dem sie sich selbst versagten über Erpressung, Diebstahl, Mord, Selbstmord, Verkehrsunfälle, Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch zu berichten (Auch bei dem Ranking zur Pressefreiheit der ROG fiel die Türkei auf Platz 148, mehr hier).

Nach Ansicht der Mitarbeiter der „Hedef Halk“ sei das Protokoll, das von ihrem Vorgesetzten Sabahattin Poyrazoğlu abgesegnet wurde, eine unmittelbare Einmischung in das Prinzip der Pressefreiheit. Eine Umsetzung dieser Regelung käme für sie nicht in Frage. Die gesamte Belegschaft, inklusive des Chefredakteurs Yener Cabbar zog darauf hin die Konsequenzen und trat geschlossen zurück, um dem Eigentümer so ihre Missbilligung seiner Entscheidung zu signalisieren (bereits im vergangenen Dezember signalisierte Erdogan einen „Aktionsplan zur Meinungsfreiheit“  – mehr hier).

Zeitungsinhaber beugt sich dem Druck seiner Mitarbeiter

Cabbar erklärte gegenüber seinen Medienkollegen, das er Kolumnist auf der Seite drei gewesen wäre. Genau dort würden in der Regel die Geschichten erscheinen, die nun durch das Protokoll ausgeschlossen wären. „Ich würde nicht mehr in der Lage sein Vergewaltigungen und Missbrauchsfälle zu kritisieren oder die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, wenn das Protokoll umgesetzt wird“, macht er seinem Unmut Luft.

Mittlerweile hat auch Eigentümer Poyrazoğlu reagiert. Nachdem die Veröffentlichung der Zeitung lahmgelegt war, rief er eine Mitarbeiterversammlung ein. Er stimmte zu, seine Zustimmung zum Protokoll zurückzuziehen. Auf Grund seiner Zusage nahmen die Redakteure nun wieder ihre Arbeit auf.

Mehr zum Thema:

Türkische Cyberaktivisten legen konservative Milli Gazete lahm
Türkei: Presserecht soll sich dem Web 2.0 anpassen
Welttag gegen Internetzensur: Reporter ohne Grenzen haben die Türkei im Auge

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.