Erdoğan fährt harte Linie: “Abtreibung ist Mord!“

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich gegen Kaiserschnitt-Geburten ausgesprochen. Abtreibungen stellen für ihn sogar ein Verbrechen dar.

Erdoğan, der am vergangenen Freitag bei einer Konferenz in Istanbul zugegen war, erklärte, dass niemand das Recht haben sollte Abtreibung zu erlauben. „Ganz gleich, ob man das Baby im Mutterleib tötet oder nach seiner Geburt. Für mich macht das keinen Unterschied“, stellt Erdoğan seine Position heraus. „Ich bin ein Ministerpräsident, der gegen Kaiserschnittgeburten ist. Ich halte Abtreibung für Mord.“ Nach Ansicht des Premiers, so berichten die türkischen Medien, sollte die Gesellschaft sensibler mit diesem Thema umgehen. Gemeinsam, so seine Forderung, „sollten wir uns dagegen stellen“. Denn „jede Abtreibung ist ein Uludere“ (bei einem Fehlangriff der Luftwaffe Ende Dezember 2011 kamen 34 Zivilisten ums Leben – mehr hier).

Seit Jahren spricht sich Erdoğan für eine Zunahme der türkischen Population aus, um eine junge, dynamische Bevölkerungsstruktur zu garantieren, die am Arbeitsleben teilnimmt und so den Rentnern des Landes entgegen steht. Seine Forderung nach größeren Familien mit mindestens drei Kindern sind jedoch nicht unumstritten. Kritiker weisen insbesondere auf die hohen Kosten der Kindererziehung hin und die ohnehin schon hohe Zahl an Arbeitslosen (Arzuhan Doğan Yalçındağ ist der Ansicht, dass Gleichstellung und sozialer Status Hand in Hand gehen – mehr hier).

Müttersterblichkeit: Türkei unter den weltweiten Top Ten

Auf der anderen Seite lobt Erdoğan die Fortschritte der Türkei in Sachen Gleichstellung von Männern und Frauen in der hiesigen Gesellschaft. Hier könne sich das Land durchaus im internationalen Vergleich sehen lassen (in der Türkei gibt es mehr Frauen in Führungspositionen als in Deutschland – mehr hier). So gäbe es mittlerweile 145 Familien-Beratungszentren in der gesamten Türkei, die fast 85.000 Menschen in Anspruch nehmen würden. Gut 31,000 Frauen würden zudem von so genannten Geburtshäusern profitieren. Während noch 2005 28 Kinder pro 100.000 Geburten verstarben, konnte diese Zahl bis zum Jahr 2010 auf 16 herabgesenkt werden. Er erinnerte in diesem Zusammenhang ebenfalls daran, dass die Kindersterblichkeit im Zeitraum von 2003 bis 2008 um satte 48 Prozent gesunken sei und fügte hinzu, dass die Türkei unter den weltweiten Top 10 in Bezug auf niedrige Raten der Müttersterblichkeit während der Geburt läge (die Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ listet die Türkei auf Rang 47 – mehr hier).

In der Türkei ist die Abtreibung in den ersten zehn Wochen der Schwangerschaft legal. Für den Eingriff ist lediglich die Zustimmung der Frau erforderlich. Ist sie verheiratet, muss jedoch auch der Mann dem Abbruch zustimmen.

Mehr zum Thema:

Türkei: Frauengruppen aufgebracht über Veränderungen des Gewalt-Gesetzentwurfs
Türkische Wissenschaft: Keine Gleichstellung der Geschlechter
Türkische Familienministerin Şahin: Ehekurse sollen Scheidungsrate senken

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.