Mavi-Marmara: Türkisches Gericht fordert neun Mal lebenslänglich für israelische Militärs

Über 18.000 Jahre Haft: Es klingt absurd, doch ein Istanbuler Gericht fordert genau das für vier ehemalige israelische Befehlshaber wegen der Tötung von neun türkischen Zivilisten an Bord der Gaza-Hilfsflotte Mavi-Marmara. Der Angeklagte Ex-Generalstabschef, Gabi Ashkenazi, appelliert unterdessen an den „gesunden Menschenverstand“.

Im Mai 2010 stürmte das israelische Militär die türkische Hilfsflotte Mavi-Marmara beim Versuch, die Gaza-Seeblockade zu durchbrechen. Dabei kamen neun türkische Zivilisten ums Leben. Ein türkisches Gericht hat nun ein offizielles Verfahren gegen vier Mitglieder des israelischen Militärs eröffnet. Für sie wird neun Mal lebenslänglich gefordert (der Anwalt der Opfer behauptete kürzlich, Israel habe sechs Millionen Dollar geboten, damit die Anklage fallen gelassen werde – mehr hier).

In Istanbul wurde am vergangenen Montag die Anklageschrift von Staatsanwalt Mehmet Akif Ekinci gegen die ehemaligen Top-Militärs Gabi Ashkenazi, der 2010 Generalstabschef war, sowie den Chef der Marine, Eliezer Marom, der Luftwaffe, Avishai Lavy und des Militär-Nachrichtendienstes, Amos Yadlin, genehmigt, wie die Associated Press berichtet. In der Anklageschrift wird neun Mal lebenslänglich für „das Befehlen der grausamen Morde und Folter“ gefordert (in einem UN-Bericht zu dem Vorfall heißt es, die Taten seien zwar übertrieben und unangemessen gewesen, seien aber trotzdem rechtmäßig – mehr hier). Mit den anderen Vergehen, die mit dem Vorfall von 2010 zusammenhängen sollen, kommt das Gericht auf jeweils zwischen 8.578 und 18.032 Jahren Haft. Ashkenazi erklärte, er hoffe, dass letztendlich der „gesunde Menschenverstand“ siegen werde.

Soldaten sind von der Auslieferung ausgenommen

Die Befehlshaber werden der Verhandlung in Anbetracht dieser Anklageschrift sehr wahrscheinlich nicht beiwohnen, doch, wenn es in ihrer Abwesenheit zu einer Verurteilung käme, könnte ein Antrag auf Auslieferung gestellt werden. Worauf die Türkei nun hofft, ist schon jetzt zum Scheitern verurteilt, denn im Auslieferungsübereinkommen von 1969 sind im Falle Israels Soldaten von Auslieferungen ausgenommen.

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