Erfolgreiche Gesundheitsreformen: WHO betrachtet Türkei als Vorbild

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Türkei während ihrer 65. Weltgesundheitsversammlung, die vom 21. bis 26. Mai in Genf stattfand, als eine beispielhafte Nation hinsichtlich ihrer Gesundheitsreformen vorgestellt. Unter den Repräsentanten aus mehr als 190 Nationen befanden sich auch der türkische Gesundheitsminister Recep Akdağ sowie WHO-Generaldirektorin Margaret Chan.

Während einer Zusammenkunft am ersten Versammlungstag, in der über aktuelle Gesundheitsfragen und deren Lösungen diskutiert wurde, konzentrierte sich die Runde im Hinblick auf die Gerechtigkeit beim Zugang zu Gesundheitsdiensten auf die Türkei. Aufgezeigt wurden in diesem Zusammenhang Beispiele der jüngsten Reformen im Gesundheitswesen (ausländische Ärzte müssen einen Sprachtest absolvieren – mehr hier).

Akdağ tauscht Erfahrungen mit Delegierten aus

Während der Konferenz würdigte WHO-Generaldirektorin Chan, dass Akdağ sein Amt unter den Ministern der Mitgliedsnationen bereits am längsten ausüben würde. Die Türkei, so ihre Ansicht, könne auf Grund ihrer erfolgreichen Reformen im nationalen Gesundheitssystem als hervorragendes Beispiel für die ganze Welt gelten. Was sich seit seinem Amtsantritt im Jahr 2002 konkret getan habe, welche Faktoren für das türkische Gesundheitssystem entscheidend seien und was man am Ende daraus gelernt hätte, das stellte Gesundheitsminister Recep Akdağ im Rahmen einer eigenen Präsentation dar (auch Ausländer benötigen nun eine Pflichtversicherung – mehr hier).

Entgegen landläufiger Überzeugung, so stellte Akdağ heraus, brauche es eben keine exorbitanten finanziellen Mittel, um ein gut funktionierendes und faires nationales Gesundheitssystem zu implementieren. In der Türkei hätte es lediglich 550 Dollar pro Kopf bedurft, um ein Gesundheitssystem einzurichten, das teils sogar besser funktionieren würde als in entwickelteren Ländern (Der türkische Arzt, Professor Öztekin Oto, ist zum Präsident der Europäischen Gesellschaft für Herz-Kreislauf-und endovaskuläre Chirurgie (ESCVS) gewählt worden – mehr hier). So wurden zum Beispiel 2009 Medikamente zwischen zehn und 40 Prozent billiger. Vor allem Medikamente, die aus dem Ausland kommen, wurden im Preis reduziert. Auch ein Hausarztsystem konnte bereits eingeführt werden. Bestehen geblieben ist übrigens die so genannte yeşil kart (grüne Karte), die verarmten Bürgern (ohne Unterkunft oder Einkommen) eine freie Gesundheitsversorgung bietet. Darüber hinaus ist geplant, die Zuständigkeit zu verschlanken: Statt bisher über SSK (für Arbeitnehmer), Bağ-Kur (für Selbstständige) und Emekli Sandık (für pensionierte Regierungsbeamte) soll künftig ein Amt für die Versorgung zuständig sein.

WHO-Chefin: Organisation als Beschützerin der Gesundheit

Während der Eröffnungsfeier rief die WHO-Chefin die 3000 Delegierten aus 192 Ländern zur Rückbesinnung auf grundlegende Werte auf: „Ich sehe die WHO als globale Gesundheitswächterin, als Beschützerin der Gesundheit, einschließlich des Rechtes auf Gesundheit.“ Dass die Sonderorganisation der Vereinten Nationen das Zeug dazu habe, davon zeigte sich auch Bundesrat Alain Berset in seiner Eröffnungsrede überzeugt: „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Potenzial, das Leben der Menschen auf dieser Welt zu verbessern.“ Die UNO-Organisation, so führte er weiter aus, müsse weiterhin die Führungs- und Koordinationsrolle unter den Akteuren im weltweiten Gesundheitsbereich einnehmen. Vor allem in den Entwicklungsländern müssten, so Berset, die Gesundheitssysteme verbessert werden. Es gelte, dem immer noch vorherrschenden, ungerechten Zugang zu ihrem Angebot den Kampf anzusagen (die Türkei will sich etwa im Bereich Telemedizin hervortun – mehr hier).

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