Toyota: 143 Mitarbeiter wegen ihrer Religion gefeuert?

Schwere Anschuldigungen gegen das türkische Hauptquartier des japanischen Automobilherstellers Toyota. Hier sollen im vergangenen März und April angeblich 143 Mitarbeiter wegen ihres Glaubens und ihrer religiösen Praktiken entlassen worden sein. Ayhan Sefer Üstün, Präsident der Parlamentarischen Kommission für Menschenrechte, forderte das Unternehmen nun auf, den Vorwürfen nachzugehen.

Wie die türkische „Zaman“ unter Berufung auf andere Medienbeiträge dieser Woche berichtet, wird dem türkischen Toyota-Hauptquartier Diskriminierung seiner Mitarbeiter, die mehrheitlich während des Ramadans fasten, vorgeworfen. Das Unternehmen, so heißt es, soll 143 Angestellte auf Grund ihrer Religion entlassen haben.

Der ehemalige Generalmanager der Toyota-Fabrik in Boshoku, die Teile für die Toyota-Fahrzeuge produziert, erklärte in einem Brief, der – wie viele andere Schilderungen ehemaliger Mitarbeiter – an die zuständige Kommission des türkischen Parlaments versendet wurde, wie das Unternehmen ihn behandelte. In dem Dokument, das auch der türkischen Tageszeitung „Star“ vorliegt, behauptet er, er sei wegen dem Nachgehen seiner religiösen Pflichten zum Rücktritt gedrängt worden. „Mir war die Teilnahme am Freitagsgebet verboten. Ich wurde beschuldigt Mitglied einer islamistischen terroristischen Vereinigung zu sein – nur weil ich betete“, zitiert ihn nun die „Star“ ohne seinen Namen zu nennen. Dabei sei das Freitagsgebet in der Zeit seiner Mittagspause gewesen. Das sei ihm allerdings verboten worden, damit er dem Rest der Belegschaft nicht als Vorbild diene. Man habe ihn sogar so unter Druck gesetzt, dass er sich in psychologische Behandlung begeben musste. Nach seinem Rücktritt habe das Unternehmen ihm eine sehr hohe Abfindung gezahlt. Das, so der ehemalige Mitarbeiter, sei geschehen, weil das Unternehmen sich der eigenen Schuld bewusst gewesen sei.

Toyota gibt ökonomische Gründe für Entlassungen an

Auch Toyota hat mittlerweile auf die Anschuldigungen reagiert. Am vergangenen Dienstag gab das Unternehmen eine Presseerklärung heraus. Darin wird auf die japanische Tsunami- und Erdbebenkatastrophe im vergangenen Jahr (die Evakuierten werden nie mehr zurückkehren – mehr hier) sowie auf die globale Wirtschaftskrise verwiesen. Beides habe dazu geführt, dass die Fahrzeugproduktion abgenommen hätte. Bisher, so heißt es, seien in der Türkei 177.000 Fahrzeuge produziert worden. 2011 sank diese Zahl auf 89.000. Bis Ende des Jahres 2012 solle diese Zahl weiter fallen – auf nur noch 62.000. Wie das japanische Unternehmen erklärt, hätten diese negativen Entwicklungen natürlich auch Auswirkungen auf die Finanzen. Aus diesem Grunde hätte man nun 143 Arbeiter entlassen müssen. Basis hierfür sei ihre jährliche Leistung, nicht ihre Religion gewesen.

Toyota, so schreibt die „Zaman“, bestreite zudem vehement, dass sie ihre Mitarbeiter in Einstellungsgesprächen nach ihrem persönlichen Glauben und ihren religiösen Praktiken fragen würden. Das türkische Hauptquartier hätte sogar drei Gebetsräume, die den Mitarbeitern 24 Stunden lang zur Verfügung stünden. Auch die Organisation der Mahlzeiten würde mit Rücksicht auf Gebets- und Fastenzeiten erfolgen.

Gerüchte: Toyota soll in die Offensive ehen

Eingeschaltet hat sich mittlerweile auch Ayhan Sefer Üstün, Präsident der Parlamentarischen Kommission für Menschenrechte. Er wandte sich schriftlich an den Toyota Motor Corp Präsident Akio Toyota. Darin dankte er Toyota für seinen Beitrag für die türkische Wirtschaft (noch im letzten Sommer stieg der türkische Autoabsatz – mehr hier), äußerte aber auch seine Sorgen über die derzeit kursierenden Gerüchte. Üstün ist sich bewusst, dass derartige Berichte die Reputation des Unternehmens und die des Vorstands massiv beschädigen könnten. Diesen forderte er deshalb auf, diesen Vorwürfen nun gezielt nachzugehen.

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