Vorstoß: Erster Teilchenbeschleuniger für die Türkei

Genf hat einen, in Stanford und Chicago steht ein solches Gerät und sogar in Hamburg können die Forscher damit arbeiten. Jetzt wurde von der türkischen Atomenergiebehörde (TAEK) auch in der Nähe von Ankara ein Teilchenbeschleuniger seiner Bestimmung übergeben.

Der erste türkische Teilchenbeschleuniger soll vor allem dem Gesundheitssektor zugute kommen. Gleichzeitig soll er aber auch helfen, die Abhängigkeit der Türkei von ausländischen Märkten zu vermindern. „Diese Anlage wird innerhalb unserer Bemühungen Atomenergie zu erzeugen, als Zentrum der Kerntechnik dienen“, so Recep Tayyip Erdoğan während der Eröffnungszeremonie. Laut dem Premier sollen hier in Zukunft Forschungen der nuklearen Physik sowie Elektronik-und Raumfahrt-Studien durchgeführt werden.

Erdoğan: Energiebedarf und Preise steigen gleichzeitig

Bis 2023 plant die Türkei gleich zwei Atomkraftwerke zu bauen. Auf diese Art wolle, so fährt Erdoğan fort, das Land seine bisherige Abhängigkeit von ausländischen Kohle-Brennstoffen reduzieren und gleichzeitig billiger Energie produzieren. „In zehn Jahren wird sich der Energiebedarf verdoppelt haben. Leider steigen parallel zu unserem steigenden Energiebedarf auch die Preise. Deshalb setzen wir auf Atomkraftwerke.“ (Kumi Naidoo, internationaler Direktor der Umweltorganisation Greenpeace, empfahl bei seiner Türkei-Visite statt in Atomenergie, Öl und Kohle, lieber in Solar- und Windkraft zu investieren – mehr hier).

Der Teilchenbeschleuniger nahe Ankara, so heißt es in den türkischen Medien, werde hauptsächlich zur Herstellung von Equipment genutzt, das in der Nuklearmedizin vonnöten sei wie zum Beispiel bei der Kernspin- oder in der Computertomographie. Allein hier gibt die Türkei jährlich zehn Millionen Dollar für importierte Gerätschaften aus. „In Zukunft werden wir in der Lage sein diese Ausrüstung in unseren eigenen Anlagen herzustellen“, so der Premier weiter. Immerhin: Die Beschleuniger-Technologie ist eine der wesentlichen generischen Technologien und spielt eine führende Rolle in wissenschaftlichen Studien, die von der Biologie bis hin zur Metallurgie reichen.

Internationale Gemeinschaft ignoriert Armenien und Israel

In seinen weiteren Ausführungen kritisierte Erdoğan die internationale Gemeinschaft für ihre Aussonderung des Irans in nuklearen Fragen. „Wir bringen dieses Thema auf fast allen internationalen Plattformen auf. Wir drängen sie notwendige Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Aber diejenigen, die kerntechnische Anlagen haben, die es als ihr Recht ansehen, zögern nicht, den Iran zu kritisieren“, so Erdoğan, der in diesem Zusammenhang auf ein armenisches Kernkraftwerk verwies, das nur 16 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt steht und auf Grund seines Alters ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung in der unmittelbaren Umgebung darstellt.

Laut Erdoğan hat jedes Land das Recht auf Kernenergie. „Man muss fair sein. Sie übersehen die unsicheren Anlagen in Armenien, genauso wie die nuklearen Aktivitäten Israels, aber sie kritisieren den Iran. Das ist nicht fair. “ (ab 2030 sollen zehn Prozent der türkischen Energie aus Atomkraftwerken kommen – mehr hier)

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