Elf Jahre nach 9/11: New York erlaubt muslimischen Arbeitern religiöse Kopfbedeckung

Jahrelang hatten Muslime und Sikh nach den verheerenden Terroranschlägen vom 11. September 2001 gemeinsam für ihr Recht gestritten. Jetzt gelang den Angestellten der New Yorker Verkehrsbetriebe der Durchbruch: Künftig ist es ihnen erlaubt, eine religiöse Kopfbedeckung zu tragen, ohne dass darauf ein amtliches Logo zu sehen sein muss.

Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen kam es am vergangenen Mittwoch endlich zu einem Vergleich zwischen den Arbeitern und der New York City Transit, die zur Metropolitan Transportation Authority (MTA) des Staates New York gehört.

New York City Transit wollte bestimmte Leute verstecken

Seit 2003 zwang die Behörde ihre Mitarbeiter, die einen traditionellen Sikh-Turban, muslimische Khimars oder Kopftücher trugen, außerhalb des Blickfeldes der Öffentlichkeit zu arbeiten. Einigen wurden im Zuge dessen sogar neue Jobs zugewiesen. Fuhren sie früher Linienbusse, erhielten sie nun Arbeitsplätze in nichtöffentlichen Depots. Im Jahr darauf war es den Arbeitern zwar wieder erlaubt in der Öffentlichkeit eine Kopfbedeckung zu tragen – allerdings nur mit dem MTA-Logo darauf. In den Augen der Betroffenen eine Art „Kennzeichnungs- oder Isolierungs-„Politik, die auch von juristischer Seite als „ein kalkulierter Versuch“ bezeichnet wurde bestimmte Arbeitnehmer zu verstecken. Und das, weil sie in deren Augen allein auf Grund ihres Aussehens die Öffentlichkeit beunruhigen könnten (ein türkischer Professor hat kürzlich Studentinnen davon abgehalten das Uni-Gebäude zu betreten – mehr hier).

Unter den Klagenden befand sich auch ein Mitarbeiter, der im Zuge von 9/11 sogar zum Held avancierte, als er mehr als 800 Menschen aus einer U-Bahn-Station in der Nähe des World Trade Centers rettete, in dem er seinen Zug nachdem der Strom ausfiel an einen sicheren Ort manövrierte. „Die MTA zeichnete mich dafür aus, dass ich meinen Zug am 11. September von den Türmen wegmanovrierte und so meine Passagiere in Sicherheit gebracht habe“, erinnert sich Kevin Harrington. „Als 9/11 geschah hatte ich auf meinem Turban kein Firmenlogo.“

Kopfbedeckungen erlaubt – einzige Bedingung die blaue Farbe

Mittlerweile gelangte das US-Justizministerium zu der Ansicht, dass die Vertreter der New Yorker Transit, gegen die gleich mehrere Klagen beim Bundesgerichtshof vorlagen, ihre Mitarbeiter diskriminiert hätte. In einer am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Erklärung heißt es nun von Seiten der MTA New York City Transit, dass der Vergleich „keine Feststellung von Schuld oder Haftung“ enthalte. Die Verkehrsbetriebe stimmten jedoch zu, die Regelungen der Kopfbedeckung derart zu modifizieren, dass künftig auch Turbane, Kopftücher und andere Formen der Kopfbedeckungen, die nicht mit dem Standard-Logo ausgestattet sind, erlaubt seien. Einzig die Farbe bleibt vorgeschrieben: Blau, wie der Rest der öffentlichen Uniformen (laut Amnesty International verletzten auch europäische Länder Grundrechte der Muslime – mehr hier).

Im Zuge des Rechtsstreits mussten die Verkehrsbehörden zudem 87,500 Dollar an insgesamt sechs Sikhs zahlen. Auch muslimische Kläger hätten eine nicht näher genannte Summe erhalten. Ausgelöst wurde der ganze Rechtsstreit als einige Monate nach dem 11. September 2001 die Busfahrerin Malikah Alkebulan eingestellt wurde. Während ihrer Ausbildung wies man sie an, ihre Kopfbedeckung abzunehmen. Zunächst weigerte sie sich, gab dann jedoch nach, weil sie immer noch Probezeit hatte. Später verschwanden dann Busfahrer mit Kopfbedeckung sukzessive aus den öffentlichen Bussen.

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