Tierschutzgruppe initiiert Petition: „Stoppt das Hundeelend in den Wäldern von Istanbul“

Das Bewusstsein für Tierschutz scheint in der Türkei immer mehr zu erwachen. Erst im vergangenen März wurde die erste Tierschutzpartei des Landes gegründet. Kürzlich kündigte Umwelt- und Waldminister Veysel Eroğlu sogar an, dass das Töten von streunenden Tieren schon bald mit Gefängnis bestraft werden soll. Das aktuelle Leid ist dennoch riesengroß. Via Online-Petition sollen nun Premier Recep Tayyip Erdogan und Istanbuls Oberbürgermeister Kadir Topbas direkt mit dem Elend konfrontiert werden.

Nach Ansicht der „Animal Protection Group – Arbeitsgruppe für Tierrechte e.V.“  sei es auch im  21. Jahrhundert noch nicht gelungen, eine den türkischen Gegebenheiten entsprechende Strategie zum Erhalt des Lebens der Straßentiere zu entwickeln. Ganz im Gegenteil, wie Mitglied Adile Pannicke in einem Beitrag auf der Seite des in Bitterfeld ansäßigen Vereins warnt, sei das Elend der Straßentiere unbeschreiblich groß. „Viele  Kommunalverwaltungen haben keine Tierheime und setzen die Straßentiere in den Wäldern und unbewohnte Gebiete, um Istanbul herum, aus, anstelle ihren auferlegten, gesetzlichen Pflichten, zum Erhalt des Tierlebens, nachzukommen“, beschreibt sie die fatale Situation in der Türkei.

Große Anzahl von Straßentieren wird qualvoll getötet

Allein eine Verschärfung der Strafen durch die türkische Justiz löst das Problem allerdings nicht (Hintergrund ist die Änderung des türkischen Tierschutz-Gesetzes – mehr hier). Noch vor der Ankündigung des Ministers Ende Mai hat die Arbeitsgruppe am 21. April 2012 eine Online-Petition gestartet, um künftig vielleicht mehr als die richterlichen Mühlen zu bewegen. „Wir sind damit nicht einverstanden, dass die Straßentiere durch die Kommunalverwaltungen und anderen Gemeinden in die Wälder ausgesetzt werden, wo sie durch Hunger, Durst und Witterungsumstände zwangsläufig zum Tode verurteilt sind“, beschreibt Pannicke die Intention. „Eine große Anzahl der Straßentiere, die entfernt von Istanbul in dörflichen Gebieten ausgesetzt sind, werden qualvoll getötet.“ (dass Tierrechte in der Türkei traditionell wenig geachtet werden, darauf weist auch die türkische Tierschutzpartei hin – mehr hier)

Um das Leid der ausgesetzten Tiere, die die Mehrheit der Bevölkerung nach Ansicht der Gruppe einfach nicht in ihren Wohngebieten sehen will, wenigstens etwas zu mildern, unterstützt die Arbeitsgruppe bereits türkische Tierschützer, die in die abgelegenen und unbewohnten Gebiete fahren, um dort für das Nötigste zu sorgen. „Diese Tiere haben keinen Schutz gegen schlechte Witterung und haben auch sonste keine Möglichkeit sich zu ernähren“, fasst die Arbeitsgruppe zusammen. Die Helfer, kochen für die Tiere oder kaufen Trockenfutter, füttern die Hunde, bauen ihnen Hütten aus Paletten, damit sie im Winter nicht erfrieren (hier gibt es Videos). „Unser Vereint unterstützt diese Projekte mit der Spende von Paletten und Trockenfutter.“

Petition geht direkt an Erdogan und Topbas

Dass das nicht ewig gehen kann, wissen auch die geprüfte Organisation mit einer Erlaubnis nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes und die HAYVIST Turkey. Bereits 1,176 Menschen aus der ganzen Welt (Stand 1. Juni 9.20 Uhr) haben die Petition mit dem Titel „Stoppt das Hundeelend in den Wäldern von Istanbul“ bereits gezeichnet. Das Ziel ist, 2000 Stimmen zu sammeln, die dann dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan und Istanbuls Oberbürgermeister Kadir Topbas vorgelegt werden sollen. Darin wird von den Gemeinden verlangt, „dass die Straßentiere, nach deren Rehabilitation an die Orte an denen sie aufgefunden wurden, ausgesetzt werden“. Außerdem müssen nach dem Willen der Petitions-Unterstüzter kranke und behinderte Hunde sowie Muttertiere mit Welpen versorgt und behandelt werden. Ihr Appell ist klar und deutlich formuliert: „Wir bitten Sie im Namen der Tiere, diese gewissenlose Umsetzung sofort zu stoppen.“

Anwohner beobachten Tiermorde direkt in der Nachbarschaft

Schon kurz nach der Ankündigung von Veysel Eroğlu gab es übrigens erste Bedenken, ob es tatsächlich zu einer Abänderung des Gesetzes bzw. zu einer Verbesserung der Lage kommen werde. Wie die türkische „Zaman“ am 27. Mai berichtete, hätten sich Tierschützer am 25. Mai auf dem Polonezköy Platz in Istanbul versammelt, um gegen das Vergiften von streunenden, aber auch von Haushunden zu protestieren. Die Bewohner des Bezirks hatten die Tierschützer selbst kontaktiert, nachdem sich direkt vor ihren Augen immer wieder grausame Szenen abgespielt hatten. Bilder, die nicht nur in Istanbul, kein Einzelfall seien. Auch die „Zaman“ berichtete von den grausamen Praktiken, die die deutsche Tierschutzgruppe anprangert. Aktivisten vor Ort bestätigten die Vorwürfe. Viele Bewohner, so heißt es weiter, glaubten sogar, dass die Gemeinde selbst hinter den Morden stecken würde. Entsprechende Videoaufnahmen haben sich bisher jedoch als unbrauchbar erwiesen. Ohnehin würden solche Vergehen bisher nur als „Sachbeschädigung“ geahndet werden.

Dass die angekündigte Änderung des Tierschutzgesetz Nr. 5199, hierin sind sich übrigens alle vier Parteien im Parlament ohne Einwände einig, tatsächlich etwas bringt, glauben viele hingegen nicht. Rasse spezifische Paragraphen, könnten das eigentlich gut gemeinte Gesetz aufweichen. Erste Auswirkungen spüren die Aktivisten bereits. Wie die Aktivistin Nesrin Özkaya Aydın gegenüber der Zeitung berichtet, hätten unbekannte vier Pitbulls einfach bei ihr an die Tür gebunden. Auch wie das künftig im Einklang mit der Unterstützung der Regierung für Hunde-Züchter und Händer für Tierbedarf aussieht, sei fraglich.

Tierschützer üben sich weiter in Geduld

Nichtsdestotrotz: Dass jetzt endlich etwas passieren soll, ist für die Tierschützer nach Jahren der Lobbyarbeit eine absolut gute Nachricht. „Solche Gräueltaten werden in ihrem Strafregister erfasst werden, und ich denke, das wird eine abschreckende Wirkung haben“, fasst  Emel Var von der Avcılar-Esenyurt Tierschutz-Gruppe zusammen. Dem stimmt auch der freiwillige Helfer Aydın vom Küçükçekmece Tierheim zu: „Lasst uns abwarten und sehen. Jedenfalls kann es nicht schlimmer werden als es jetzt ist.“

Hier sind die Petitionen zu erreichen:

Deutsch:http://www.thepetitionsite.com/553/360/535/stoppt-das-hundeelend-in-den-wldern-von-istanbul/

Türkisch:http://www.thepetitionsite.com/668/712/319/sokak-hayvanlarnn-orman-ilerine-braklarak-alk-ve-lme-mahkum-edilmesinikabul-edilemez-buluyoruz/

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