20 Billionen Kubikmeter Schiefergas in der Türkei!

Der türkische Professor Dr. Namık Yalçın sagt, dass die Türkei 20 Billionen Kubikmeter an Schiefergas-Reserven besitzt. Die Förderung ist zwar technisch anspruchsvoll, könnte bisherige Abhängigkeiten in Sachen Energie verschieben.

Wie Dr. Namık Yalçın, Professor für Geoingenieurwesen an der Universität Istanbul, erklärt, habe das türkische staatliche Ölunternehmen Turkish Petroleum Corporation (TPAO) bekannt gegeben, dass man schätze, dass es in der Türkei gut 20 Billionen Kubikmeter an Schiefergas-Vorkommen gebe. „Die Erkundungsarbeiten sollen im Südosten des Landes, in der Region Anatolien beginnen. Innerhalb eines Jahres soll jedoch nicht nur erkundet, sondern auch gebohrt werden“, zitiert ihn die türkische Zeitung „Sabah“ (insgesamt soll die Energieversorgung der Türkei neu aufgestellt werden – mehr hier).

Im Rahmen eines Vortrags vor der Kocaeli Handelskammer zeigte Yalçın auf, dass dieses Gas durchaus eine alternative Energiequelle sei, die es nicht erst seit gestern gebe. Tatsächlich wisse man bereits seit Mitte des 20. Jahrhunderts davon. Jedoch aufgrund der Bedingungen zu jener Zeit, den Produktionskosten und der unzureichenden Technik waren diese Formen der alternativen Ressourcen bisher nicht angezapft worden (im vergangenen Winter schoss der Gasverbrauch auf ein Rekordniveau – mehr hier).

Erste Untersuchungen im Südosten Anatoliens

„Seit der Ölkrise 1973 suchten die entwickelten Länder nach alternativen Energiequellen. Zu dieser Zeit kam auch die Möglichkeit auf, Gas aus Schiefer-Formationen zu gewinnen. Allerdings enthält nicht jedes Schiefergestein Gas. Es muss bestimmte Eigenschaften haben, muss eine gewisse Menge organischer Bestandteile aufweisen und natürlich reif genug sein. Der Gedanke, Schiefergas als alternative Energiequelle zu nutzen, ist nun auf Grund der ökonomischen Umstände wieder aktuell.“

Die erste Bohrung, so führt der Wissenschaftler weiter aus, fand bereits 1981 in Texas statt. Bis zum Jahr 2006 erreichte die Zahl der Förderquellen 6200. Laut Yalçın gibt es 42 verschiedene Becken in 32 Ländern, die ein derartiges Potential aufweisen. Neben Brasilien, Argentinien, Polen und China gehört für ihn die Türkei zu den wichtigsten Ländern mit derartigen Reserven. Hier seien bisher 50 Millionen Kubikmeter natürlicher Gase verbraucht worden. “In den 1990er Jahren gab es Arbeiten in Verbindung mit einem Kohle-Gas-Becken in Zonguldak. Die Arbeiten an Schiefergas stecken derzeit noch im Anfangsstadium. Die TPAO verfügt über eine 70-jährige Geschichte in der Öl-und Gas-Förderung. Diese Erfahrung ist maßgeblich. Die TPAO hat angekündigt, dass sie grob abschätzen kann, dass es gut 20 Billionen Kubikmeter Gasreserven sind. Die Vorarbeiten sollen im Südosten der anatolischen Region starten. Innerhalb dieses Jahres soll es auch zu Bohrungen kommen. Ein anderes Unternehmen wird derweil im Trakya Becken arbeiten. Die südöstliche Region Anatoliens, Trakya, das Schwarze Meer, Ost-Anatolien, der Salzsee und seine Umgebung, als auch Toroslar sind Gegenden, in denen es diese Gas-Reserven gibt.“

Schiefergas-Ressourcen verschieben alte Abhängigkeiten

Durch die Förderung dieser Schiefergase, die übrigens auch in Blackpool an Englands Nordwestküste in Betracht gezogen wird, um Englands Energieprobleme zu lösen, ergeben sich für Prof. Dr. Namık Yalçın verschiedene potentielle Veränderungen sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf politischer Ebene. Er denkt dabei vor allem an Nationen wie etwa Japan oder China, die in Zukunft nicht mehr in der Lage wären, den Bedarf der Bevölkerung selbst zu decken. Bisher habe es große Abhängigkeiten von Russland und dem Nahen Osten gegeben. Dieses Gleichgewicht könne sich nun verschieben. „Es könnte sogar notwendig sein, eine vollständige Neubewertung des gesamten weltweiten Energie- und Energie-Sicherheitsrichtlinien im Hinblick auf die Möglichkeiten dieser neuen alternativen Quelle vorzunehmen“, sagt Yalcin (die Energiepreisexplosion treibt auch die türkischen Konsumenten auf die Barrikaden – mehr hier).

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