Gesundheitsministerium: Kindersterblichkeit in der Türkei erheblich gesunken

Mitten hinein in die aktuelle Abtreibungsdebatte in der Türkei grätscht nun das hiesige Gesundheitsministerium mit aktuellen Zahlen zur Kindersterblichkeit im Land. Lag diese im Jahr 2003 noch bei 29 von 1000 Kinder, sank sie bis zum vergangenen Jahr auf nur noch 9.1 pro 1000 Babies.

Die Zahlen zur Säuglingssterblichkeit wurden auf Grund einer parlamentarischen Anfrage aus der Republikanischen Volkspartei (CHP) veröffentlicht. Konkret gefragt hatte der Abgeordnete Mahmut Tanal aus Istanbul.

In den dargelegten Daten wird nun, so berichten die türkischen Medien, ersichtlich, dass die Säuglingssterblichkeit in den vergangenen acht Jahren um ganze 33 Prozent gesunken ist. In 39,9 Prozent der Todesfälle lagen Kreislauferkrankungen zu Grunde. 20,7 Prozent der Kinder starben an bösartigen Tumoren, während 6,4 Prozent endokrinen Erkrankungen erlagen.  In den EU-Ländern gibt es derzeit 330 Ärzte und 824 Krankenschwestern pro 100.000 Einwohner. In der Türkei ist die Situation eine andere. Hier stehen nur 167 Ärzte und 156 Krankenschwestern pro 100.000 Menschen zur Verfügung.

Auch „statista“ hat im Februar dieses Jahres eine Übersicht zum Thema herausgegeben und die 20 Länder mit der niedrigsten Säuglingssterblichkeit im Jahr 2012, also dem Kindstode im ersten Lebensjahr je 1.000 Lebendgeburten, zusammengetragen. Angeführt wird das Feld hier von Monaco mit einem Wert von 1,8. Dem Fürstentum folgen Japan, Bermuda und Schweden. Deutschland liegt hier auf Platz 15 mit einem Wert von 3,51. Unter den Top 20 befinden sich zudem Hongkong, Macao, Island, Italien, Spanien, Frankreich, Finnland, Anguilla, Norwegen, Malta, Guernsey, Tschechien, die Niederlande und schließlich Andorra. Umgekehrt macht „statista“ auch Angaben zu den 20 Ländern mit der höchsten Säuglingssterblichkeit. Mit 121,63 liegt hier Afghanistan ganz vorne. Die Türkei findet sich in keinem der beiden Rankings.

Türkische Regierung will Abtreibungsgesetz verschärfen

Aktuell ist in der Türkei eine Debatte um die jüngsten Aussagen von Premier Recep Tayyip Erdogan und einiger seiner Politiker entbrannt. Ausgehend von Erdogans Meinung „Abtreibung ist Mord“, traten in der vergangenen Woche sowohl Gegner als auch Befürworter von Abtreibungen auf den Plan (kritische Bürger haben sich auch im Rahmen einer Online-Kampagne formiert – mehr hier). Doch obschon sich eine heiße Diskussion entfacht ist, scheint die türkische Regierung schon kurz davor zu sein „Nägel mit Köpfen“ zu machen. Wie der türkische Gesundheitsminister Recep Akdağ am vergangenen Mittwoch verlauten ließ, plane das Ministerium bereits einen entsprechenden Gesetzentwurf zum Thema Schwangerschaftsabbruch, der schon im nächsten Monat abgeschlossen und anschließend dem Kabinett präsentieren werden solle.

Zwar sind bisher keine Details über die Inhalte des neuen Gesetzes an die Öffentlichkeit gedrungen. Spekuliert wird jedoch in die Richtung, dass künftig nur noch bis zur vierten oder fünften Woche ein Abbruch möglich sein soll. Bisher war das in der Türkei bis zur zehnten Woche legal (auch der Gesundheitsminister ist grundsätzlich gegen Abtreibung, wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht – mehr hier).

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