Koordinationsrat der Muslime: Gaucks Aussagen zum Islam sind „irritierend“

In einer aktuellen Mitteilung hat der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime (KRM), Ali Kızılkaya, die jüngsten Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck zur Verortung des Islams in Deutschland als „irritierend“ bewertet.

„Die Aussage des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff zum Islam hatte für Muslime in Deutschland eine große integrative Bedeutung. Wir haben uns von Bundespräsident Gauck die Fortführung dieser integrationspolitisch wichtigen und klugen Linie erhofft“, kritisiert Ali Kızılkaya die Aussagen Joachim Gaucks in einem Interview mit der ZEIT, in dem er erklärte, die Intention des Wulff-Satzes zwar anzunehmen, selbst aber „einfach gesagt (hätte), die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland“ („Wulff ist mutiger als Gauck“ so der türkische Journalist Erhan Merttürk – mehr hier).

In einer aktuellen Erklärung des Koordinationsrat der Muslime (KRM) bezeichnet deren Vorsitzender es nun als „irritierend“, dass der Bundespräsident sich gerade von dieser Aussage seines Amtsvorgängers distanziere. „Für die selbstverständliche Feststellung, dass in diesem Land viele Muslime leben, bedarf es keiner großen Anstrengung. Dass in Deutschland ca. vier Millionen Muslime leben, von denen etwa die Hälfte die deutsche Staatsbürgerschaft hat, ist Realität“, stellt Kızılkaya heraus.

KRM: Joachim Gauck sendet beunruhigendes Signal

Für den KRM, der sich aus der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V. (DITIB), dem Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD), dem Verband der Islamischen Kulturzentren in Deutschland e.V. (VIKZ) und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD) zusammensetzt, sei das Signal, welches von dieser Relativierung ausgehe, beunruhigend: „Muslime als einzelne Individuen sind zu tolerieren, weil sie nun schon einmal hier sind? Für ihre Religion und Kultur bleibt jedoch kein Raum. In der Integrations- und Islamdebatte sind wir an vielen Stellen schon viel weiter.“ (viele Deutsch-Türken wünschten sich einen zweiten Wulff – mehr hier).

Leider, so heißt es in der Erklärung des Koordinationsrates, verenge der Bundespräsident mit solch einer Aussage die Freiheitsrechte – insbesondere die Religionsfreiheit – von Muslimen auf den individuell-privaten Bereich (im Juni 2011 hatte Wulff noch eine langsame Integration beklagt – mehr hier). Kollektive Freiheitsrechte, wie die Sichtbarkeit als muslimische Gemeinschaften oder die rechtliche Integration des Islams in den religionsverfassungsrechtlichen Rahmen, würden hingegen in Frage gestellt. „Dem Freiheitsbild unserer Verfassung entspricht dieser Umgang mit religiösen Minderheiten nicht“, stellt der KRM-Sprecher klar. Für die im KRM vertretenen muslimischen Religionsgemeinschaften sei es dagegen selbstverständlich, dass sowohl der Islam, als auch die Muslime und ihre Gotteshäuser zu Deutschland gehörten.

Islam-Bekenntnis von Merkel verhallt fast ungehört

Während die Korrektur der Wulffschen Aussage durch Gauck derzeit zu einer breiten Debatte führt, blieben die Worte der Bundeskanzlerin Mitte Mai fast ungehört. Sie bekräftigte während einer Visite an einer Berliner Oberschule, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Sie erklärte: „Die Muslime gehören heute zu unserer Lebenswelt dazu. Es ist mittlerweile auch eine Tatsache, dass zahlreiche Muslime Deutsche sind. Deshalb gehört der Islam eben heute dazu.“

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