Abtreibungsverbot: Tausende türkische Frauen gehen auf die Straße

Nicht nur online, auch auf den Straßen regt sich Widerstand gegen die harte Linie von Premier Erdogan und seinem Gefolge. Am vergangenen Wochenende trieb die geplante Verschärfung des türkischen Abtreibungsrechts Tausende Frauen unterschiedlichster Herkunft auf die Straße. In mehreren türkischen Städten protestierten sie gegen derart rigide Beschneidungen.

Allein im Istanbuler Stadtteil Kadıköy haben sich am vergangenen Sonntag mehr als 3000 Frauen – zumeist aus Frauenrechtsverbänden – versammelt. Mit bunten Bannern und Fahnen verwiesen die Demonstrantinnen auf ihr Recht an ihrem eigenen Körper und protestieren gegen die Initiative der regierenden AKP, das seit 1983 geltende liberale Recht zu aufzuheben und Abtreibung de facto zu verbieten (Erdogans Meinung „Abtreibung ist Mord“, sorgte für einen Aufschrei vor allem unter Frauenrechtsgruppen – mehr hier).

„Uludere ist ein Massaker, Abtreibung ist ein Recht.“

Gemeinsam skandierten sie Parolen und schwenkten Fahnen gegen die Bestrebungen Regierung. Sie forderten Erdogan und Co. dazu auf: „Hände weg von den Körpern der Frauen!“. Daneben fanden sich Slogans wie „Es ist mein Leib, also wer bist du?“, „Abtreibung ist meine Entscheidung, Mord ist eine Männer-Methode“ oder „AKP, Finger weg von mir!“ Andere Damen nahmen auf ihren Bannern Bezug auf den unsäglichen Vergleich Erdogans, der jede Abtreibung mit dem Flugzeugfehlangriff von Uludere in Beziehung setzte, der Ende vergangenen Jahres 34 Menschen das Leben kostete. Während er erklärte „jede Abtreibung ist ein Uludere, jede Abtreibung ist ein Mord“ stellten sie nun fest: „Uludere ist ein Massaker, Abtreibung ist ein Recht.“ (auch Online wurde eine Kampagne ins Leben gerufen – mehr hier)

Wie die türkischen Medien berichten, verliefen die Demonstrationen in den meisten Städten überwiegend friedlich. Statt Gewalt, machten die Frauen mit Musik und Tanz auf ihre Ansichten zum Thema Abtreibung aufmerksam. Anders in Ankara und Eskisehir. Dort sei es zu massiven Übergriffen der Polizei auf kleinere Demonstrationen gekommen (bereits in der vergangenen Woche wurde einige Demonstrantinnen vor dem Familien- und Sozialministerium verhaftet – mehr hier). In der letzten Woche gerieten Polizei und Protestierende auch in Eskisehir und Izmir aneinander.

Vorwurf: Erdogan tyrannisiert die Frauen

Nichtwenige der Teilnehmerinnen, unter denen auch Frauen mit Kopftuch zu finden waren, sangen den bekannten türkischen Song von Ajda Pekkan „Ich wurde frei geboren, ich werde frei leben, wer bist du?“ Die 36-jährige Demonstrantion Aylin Kapusuz brachte es gegenüber den Medien stellvertretend für ihre Mitstreiterinnen auf den Punkt: „Wir wollen die Regierung nicht in unseren Schlafzimmern. Niemand hat das Recht über meinen Körper zu entscheiden. Nur ich kann über meinen Körper entscheiden.“ Dem schloss sich auch Ayşegül Bozdoğan an: „Mein Körper gehört nur mir. Er gehört nicht der Regierung oder irgendjemand anderem. Der Premierminister tyrannisiert Frauen, die einen anderen Lebensstil als er selbst haben. Und zwar auf die gleiche Weise wie noch vor ein paar Jahren Frauen mit Kopftuch tyrannisiert wurden.“

Es waren allerdings nicht nur Frauen, die etwa in Istanbul, Izmir, Edirne und Şanlıurfa gegen das Abtreibungsverbot demonstrieren. Auch Männer mischten sich unter die Massen. Wie zum Beispiel der 41-jährige Filmkritiker Alper Turgut. Seiner Meinung nach sei die Regierung in diesem Fall zu weit gegangen. „Dies ist ein Angriff auf den weiblichen Körper. An diesem Punkt müssen Männer und Frauen diesen Angriff gemeinsam zurückdrängen.“ Er befürchtet, dass dem Abtreibungsverbot weitere, seiner Ansicht nach, unschöne Entwicklungen folgen könnten. Er sieht schon kommen, dass Ehebruch zum Verbrechen erklärt werde und Männer demnächst vier Frauen heiraten könnten.

Gesundheitsminister Recep Akdag rudert zurück

Nur wenige Tage nach Erdogans umstrittenen Äußerungen hatte sich der türkische Gesundheitsminister zu Wort gemeldet und angekündigt, dass man bereits in Kürze ein neues Gesetz fertig hätte. Nun erklärte Recep Akdag: „Noch steht nicht genau fest, was in dem neuen Gesetz stehen wird.“ (viel war bisher über den Inhalt ohnehin nicht durchgesickert – mehr hier)

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