Weltwirtschaftsforum: Türkischer Premier Erdoğan soll wieder nach Davos kommen

Der Eklat im Jahr 2009 ist noch in guter Erinnerung: Erdoğan stürmte aus dem Saal. Davos war für ihn Geschichte. Jetzt will ihn Stephen Kinnock, Direktor und Leiter des Weltwirtschaftsforums Europa und Zentralasien, offenbar persönlich wieder zurück holen.

Stephen Kinnock hoffe, so berichten die türkischen Medien, dass die Türkei künftig wieder von höchster Ebene auf dem jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos repräsentiert werde. Sein Appell, so ihre Interpretation, richte sich direkt an Recep Tayyip Erdoğan. Dieser stürmte vor drei Jahren nach einer hitzigen Debatte mit Israels Präsident Peres zornig von der Bühne.

„Die Fortsetzung unserer Beziehungen mit der Türkei sind von größter Bedeutung für uns. Es wäre schön, die Türkei wieder von höchster Ebene vertreten zu sehen“, zitiert die türkische Nachrichtenagentur Anatolia den Direktor und Leiter des Weltwirtschaftsforums Europa und Zentralasien, der sich anlässlich des Regionalgipfels des Weltwirtschaftsforums zum Nahosten, Nordafrika und Eurasien vom 4. bis 6. Juni 2012 in Istanbul aufgehalten hatte (Immerhin: dieses Treffen wurde am 5. Juni von Erdoğan eröffnet – mehr hier).

Regionalgipfel in Istanbul: „Fahrplan für Reformen“

Erstmals in seiner 42-jährigen Geschichte führte das Weltwirtschaftsforum ein gemeinsames Gipfeltreffen für mehrere Regionen durch. Im Mittelpunkt der Tagung, die gemeinsam mit der türkischen Regierung ausgerichtet wurde, standen die Regionen Europa, Nahost, Nordafrika und Zentralasien sowie ihre gegenseitigen Beziehungen.
Zu der Veranstaltung, die unter dem Titel „Roadmaps for Reform, Pathways to Inclusive Growth“ („Fahrplan für Reformen, Wege zu integrativem Wachstum“) durchgeführt wurde, waren mehr als 1000 Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft aus Europa, Nahost, Nordafrika und Zentralasien gekommen. Ziel war es, Partnerschaften auf dem Weg zu Wachstum und menschlicher Entwicklung zu fördern.

Unter den Co-Vorsitzenden befand sich übrigens auch Güler Sabanci, Vorstands-Vorsitzende der Sabanci Gruppe (Bank ki Moon ernannte sie vor einiger Zeit zum Vorstand-Mitglied des globalen Paktes der Vereinten Nationen – mehr hier).

Erdoğan stürmte wegen Moderation von Ignatius hinaus

Für Erdoğan war sein jetziger Auftritt zumindest eine „Rückkehr im Kleinen“. Zur Erinnerung: Nach einem Streit mit dem israelischen Präsidenten Shimon Peres erklärte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan, dass das Weltwirtschaftsforum in Davos für ihn ein für allemal erledigt sei. Während einer Podiumsveranstaltung über den Gazastreifen, an der auch Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon und der Generalsekretär der arabischen Liga, Amr Mussa teilnahmen, gerieten die beiden Männer aneinander. Erdoğan warf Peres vor, dass Israel im Gazastreifen Mord begangen hätte.

Wutentbrannt verließ der türkische Premier nach der Veranstaltung den Saal. Später erklärte Erdoğan, sein Hinausstürmen sei eine Reaktion auf die Modeartion des „Washington Post“ Kolumnisten David Ignatius, gewesen. Er hätte von diesem zu wenig Gesprächszeit bekommen: „Ich zielte überhaupt nicht in irgendeiner Weise auf Israel, das israelische Volk oder den israelischen Präsidenten Peres.“

2010 nahm die Türkei darauf hin nicht am Weltwirtschaftsforum in Davos teil. Im Jahr darauf wurde das Land von Staatsminister Ali Babacan repräsentiert. Auch vom 25. bis 29. Januar 2012 war er anwesend. Mit ihm erstmals auf diesem Parkett befand sich auch die türkische Familienministerin Şahin (sie war die erste Politikerin aus der Türkei beim Weltwirtschaftsforum – mehr hier). Im Zuge des Treffens äußerte der türkische Vize-Ministerpräsident seine Befürchtungen, dass die Krise der Eurostaaten doch noch negative Auswirkungen auf die türkischen Wachstumsziele haben könnte (die Türkei schützt sich vor wirtschaftlichen Schäden aus der EU – mehr hier).

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