Erneuter Massenansturm: Türkei nimmt in den letzten fünf Tagen fast 3000 syrische Flüchtlinge auf

Seit Anfang Juni dieses Jahres haben mehr als 2700 syrische Flüchtlinge in der Türkei Zuflucht gesucht. Unterdessen berichten Dorfbewohner, dass syrische Streitkräfte in der Nähe der Grenze bewaldete Gebiete in Brand setzen, um so Rebellen aus ihren Verstecken zu treiben, während die Regierung ihrerseits nun ebenfalls Diploaten ausweisen will.

Die meisten Flüchtlinge, so heißt es derzeit in den türkischen Medien, seien in der südöstlichen Provinz Hatay über die Grenzen geströmt. Inzwischen sind in syrischen Flüchtlingslagern nahezu 27,000 Personen registriert. Die meisten von ihnen harren derzeit in dieser Provinz aus. Wie Dorfbewohner nahe der syrisch-türkischen Grenze gegenüber Reuters berichteten, hätten syrische Soldaten in den vergangenen Tagen zudem großräumig bewaldetes Gebiet in dieser Region abgefackelt, um die Verstecke der bewaffneten Aufständischen zu zerstören. Wie türkische Beamte mitteilten, seien davon auch die beiden türkischen Dörfer Güveççi und Görentaş betroffen gewesen.

Friedensplan gescheitert: Die Menschen haben kein Vertrauen

Der neuerliche Massenansturm auf türkische Flüchtlingslager geht einher mit den wachsenden Zweifeln der Menschen an Kofi Annans Friedensplan. Wie wenig die ohnehin nur auf dem Papier existierende Waffenruhe tatsächlich funktioniert, zeigte sich zuletzt am 25. Mai als beim Massaker von Hula mehr als 100 Menschen ihr Leben verloren (die UN verurteilte den Angriff scharf – mehr hier). Unterdessen erklärte die Freie Syrische Armee am vergangenen Montag gegenüber dem arabischen Nachrichtensender al Dschasira, sie fühle sich nicht mehr an das Programm des Sondervermittlers gebunden: „Wir haben unsere Angriffe wieder aufgenommen.“

Syrien will westliche Diplomaten des Landes verweisen

Bereits am kommenden Mittwoch wollen sich voraussichtlich einige Außeminister der Kern-Staaten der „Kontaktgruppe der Freunde Syriens“ in Istanbul treffen, um darüber zu beraten, wie der Druck auf Assad weiter erhöht werden könnte. Doch derweil verhärten sich die Fronten auch auf diplomatischer Ebene weiter. Als Reaktion auf die Ausweisungen syrischer Diplomaten aus westlichen Staaten, will Syrien nun gleich ziehen. Das gab das syrische Außenministerium in Damaskus bekannt. Ministeriumssprecher Makdessi Jihad erklärte, zur Liste der Diplomaten gehörten die Botschafter der Vereinigten Staaten, Großbritannien, der Türkei, Frankreich und andere. Einige haben das Land bereits auf Grund der zunehmenden Gewalt verlassen.

Nichtsdestotrotz, so Jihad weiter, stünde einer Wiederherstellung der Beziehungen zu den Diplomaten nichts im Wege. Nach wie vor glaube man an die Wichtigkeit eines Dialogs, der auf dem „Grundsatz der Gleichheit und gegenseitigen Respekts beruht“. „Wir hoffen, dass die Länder, die diese Schritte beschlossen haben, diese Grundsätze, die es erlauben,  die Beziehungen wieder normalisieren, annehmen werden.“ Auch die Türkei hat in der vergangenen Woche syrische Diplomaten des Landes verwiesen (der Schritt geschah wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ – mehr hier).

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