Olympia 2012: Erdbebenüberlebende wird erste türkische Turnerin bei den Spielen in London

Am liebsten würde sich Göksu Üçtaş die fünf Ringe auf den Arm tätowieren lassen, so aufgeregt ist die junge Frau über ihre Teilnahme bei den Olympischen Sommerspielen in London. Sie ist die erste türkische Turnerin, die das geschafft hat - und zwar um Haaresbreite.

Derzeit belässt es Göksu Üçtaş noch bei einer olympischen Kette um den schmalen Hals. Doch wer weiß, wie weit sie es in diesem Sommer bringen wird. Eigentlich sind Ringen (in Belgrad gab es ziemlich schnell Gold für die Türkei – mehr hier) und Gewichtheben die Paradedisziplinen der Türkei (bei den Frauen überschattet ein Dopingskandal die Erfolge – mehr hier). In diesen Sportarten haben die türkischen Männer und Frauen bereits 67 Medaillen abgestaubt. Noch nie hat eine Turnerin in den Nationalfarben der Türkei Rot und Weiß bei Olympischen Spielen ihr Können gezeigt.

„Alles, was man wirklich braucht, ist der Glaube an sich selbst“, so die 22-jährige Turnerin. Doch Üçtaş‘ Leistung ist umso bemerkenswerter, als dass sie 1999 im zarten Alter von neun Jahren – einem wichtigen Alter für die Entwicklung einer Turnerin, ein verheerendes Erdbeben im Nordwesten der Türkei überlebte. Die Naturkatastrophe kostete damals gut 17.000 Menschen das Leben. Hunderttausende wurden zu jener Zeit obdachlos – auch ihre Familie.

Turnerin lebt im Zelt und trainiert im Freien

„Ein Jahr lang lebten wir wegen der ständigen Angst vor Nachbeben in einem Zelt“, erinnert sich Üçtaş zurück. „Doch mit dem Training habe ich nie aufgehört. Selbst als die Trainingshalle gerade wieder aufgebaut wurde. Ich trainierte draußen und konzentrierte mich so gut es ging auf meine Übungen.“

Um sich zu motivieren hat die junge Frau ihr großes Vorbild, die russische Goldmedaillen-Gewinnerin Svetlana Khorkina, als Bleistiftzeichnung an ihre Wand geheftet. Auch darin hat die junge Frau großes Talent. Für sie selbst ist es ein effektiver Weg nach dem anstrengenden Sport richtig zu entspannen.

Olympische Spiele kompliziertes Anmeldungsverfahren

Bis auf drei Mal haben die Türken seit 1908 an allen Olympischen Spielen teilgenommen. Bisher blieb der Mediallenregen allerdings auf sechs Sportarten beschränkt. Üçtaş Qualifizierung könnten nun helfen, noch ein größeres Publikum in der Türkei für die Spiele zu begeistern. Ihre Trainerin ist übrigens überzeugt, dass es auch schon vor Üçtaş türkische Turnerinnen hätten schaffen können: „Ich habe mich durch so viele Verordnungen im Internet gewühlt, um herauszufinden, wie man sich für die Spiele qualifizieren kann. Der Grund, warum bisher keine türkische Turnerin jemals zu den Olympischen Spielen ging, ist nicht Inkompetenz, es liegt daran, dass niemand wirklich glaubte, dass das passieren könnte, und deshalb hat das nie jemand herausgefunden“, so Güler. Dennoch haben die beiden für den kommenden Sommer bescheidene Hoffnungen. „Das Ziel bei den Olympischen Spielen? Dorthin zu gehen ist das Ziel. Aber es bis ins Finale zu schaffen wäre unglaublich“, sinniert Güler.

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