Hornbach: Bereits 20 Prozent der Auszubildenden mit Migrationshintergrund

Der Handelskonzern Hornbach setzt auf mehrsprachige Mitarbeiter. Viele Kunden, die Deutsch nicht als Muttersprache gelernt haben, haben Hemmungen, die Beratung in Anspruch zu nehmen. Mit der Vielfalt bei den Mitarbeitern will Hornbach auf diese Zielgruppe zugehen.

„Wir leben in einer Multikulturellen Gesellschaft und Deutschland ist mittlerweile ein Einwanderungsland. Unsere Kunden spiegeln diese Vielfalt wider“, erklärt Lucien Dellwo, Ausbildungsleiter beim Handelskonzern Hornbach. Das müsse sich auch in der Belegschaft zeigen. „Ungefähr 20 Prozent der Azubis haben bundesweit einen Migrationshintergrund“, schätzt Dellwo im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten (mit verschiedenen Projekten versucht auch Niedersachsen Migranten in den öffentlichen Dienst einzubinden – mehr hier).

Die Hornbach Bau- und Gartenmärkte sind Marktführer in Europa. Die Filialen der sind in neun europäischen Ländern vertreten. Der Baumarkt hat sich auf größere Projekte spezialisiert und legt deshalb Wert auf gute Beratung und Hilfeleistungen.

Gemeinsam mit der IHK hatte Hornbach vor drei Jahren das Projekt: „Berlins Wirtschaft braucht Dich“ gestartet. In diesem Sommer beenden die 20 Jugendlichen ihre Ausbildung – die meisten von ihnen bleiben bei Hornbach. Das Familienunternehmen Hornbach bemüht sich schon lange eine starke soziale Ausrichtung. Doch die Ausbildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind nicht nur eine Geben – auch der Arbeitgeber profitiert: „Wir haben dadurch Mitarbeiter, die in der Zweitsprache beraten können. Sie können dann auch gezielt auf Kunden eingehen, die nicht ganz so gut Deutsch sprechen oder sich einfach in ihrer Muttersprache sicherer fühlen“, so Dellwo.

Gerade in Neukölln habe man die Erfahrung gemacht, dass sich Kunden mit Migrationshintergrund passiver verhalten und nicht direkte Beratung in Anspruch nehmen: „Sie kommen in den Baumarkt, holen sich die Produkte, die sie für ihr Projekt benötigen, verzichten aber häufig auf eine fundierte und kompetente Beratung“. Mit einem durchmischten Team könne hier mehr Erfolg erzielt werden.

In ganz Deutschland haben die Azubis Ausbildungsbetreuer, so Dellwo weiter. Dieser gehe individuell auf die Jugendlichen ein. „Wenn ein Ausbildungsbetreuer feststellt: ‚Ich habe hier einen Azubi, der tut sich in der Schule schwer, weil er nicht ganz so fit in der deutschen Sprache ist‘ – dann kann er diesen je nach Bedürfnis unterstützen“, erklärt Dellwo. Es gehe um mehr als Sprache: „Fleiß, Engagement, Kommunikationsverhalten, Spaß an der Arbeit – wenn das alles gegeben ist, können sich Defizite in anderen Bereichen sicherlich ausräumen lassen“.

Doch die Sprache ist nicht immer das größte Problem, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund bei der Suche nach einen Ausbildungsplatz haben, denn die meisten beherrschen das Deutsche besser als die Muttersprache ihrer Eltern (auch im öffentlichen Dienst sind sie gefragt – mehr hier). Trotzdem warten Türkeistämmige Statistiken zufolge fünfmal länger auf einen Ausbildungsplatz als deutsche Bewerber (mehr hier).

Das Projekt mit der IHK endet in diesem Sommer und ein Großteil der Azubis wird übernommen. Hornbach hat bundesweit eine Übernahmequote von 75 Prozent. Von vier Azubis werden somit drei weiterbeschäftigt. Derzeit ist kein weiteres Projekt dieser Art geplant, denn Dellwo betont, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund längst Teil der Gesellschaft sind und kein extra Programm benötigen: „Grundsätzlich brauchen wir kein Projekt, um dieser Zielgruppe Chancen zu geben. Wenn sich da jemand bewirbt, hat er dieselben Chancen wie alle anderen“.

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