Deutsche Musikwelt steht hinter Star-Pianist Fazıl Say

Der Europäische Musikrat, das Konzerthaus Dortmund und der Pianist Lars Vogt können die Anklage gegen den Pianisten Fazil Say nicht nachvollziehen. Das Vorgehen sei absolut „absolut absurd“. Statt eines Verfahrens müsse man sich wieder auf „gemeinsame Grundwerte im Sinne der UN-Menschenrechtscharta“ verständigen.

„Es ist unfassbar, dass deshalb Anklage erhoben wird“, erklärte der renommierte Pianist Fazıl Say. Der Prozess wegen vermeintlicher Beleidigung islamischer Werte auf Twitter beginnt am 18. Oktober. Er kann das, was hier gerade geschieht, kaum glauben. „Mein Land, das mir immer als Inspiration diente, ist nun gegen mich”, sagte er den Deutsch Türkischen Nachrichten.

Der Prozess gegen Fazil Say beginnt im Oktober. (Foto:DTN)

Der Prozess gegen Fazil Say beginnt im Oktober. (Foto:DTN)

Der deutsche Pianist Lars Vogt findet das Vorgehen der türkischen Justiz „absolut absurd“. „Man muss doch die Möglichkeit haben, so etwas zu sagen“, sagt er. Zumal es ja auch nicht möglich sei, philosophische Diskurse über Religion zu verbieten, die seit Jahrhunderten stattfinden. Einen „ungeheuerlichen Vorgang“, nennt er die Art und Weise, wie die Meinungsfreiheit unterbunden werden soll. „Wenn jemand einen starken Glauben hat, sollte er doch dadrüber stehen“, so Vogt.

Der deutsche Musikrat und das Konzerthaus Dortmund, für das er mehrere Jahre als Exklusivkünstler gewirkt hat, unterstützen ihn. „Freidenker wie Fazil Say bereichern seit Jahren die internationale Kulturszene“, erklärt Benedikt Stampa, Intendant des Konzerthaus Dortmund. „Fazıl Say ist ein Weltbürger“, so Stampa weiter, „der in Istanbul zu Hause ist. Das Land sollte stolz auf eine so herausragende Persönlichkeit sein. Wir, seine Freunde in Dortmund, sind es.“

Der Europäische Musikrat versteht vor allem die „Verhältnismäßigkeit“ einer solchen Anklage nicht. Vizepräsident Christian Höppner appelliert „an alle Beteiligten, bei der Bewertung dieser Situation Augenmaß walten zu lassen. Die Presse- und Meinungsfreiheit gehören zu den Grundwerten der europäischen Demokratien. Angesichts der globalen Herausforderungen ist die Stärkung Europas im Sinne von ‚Einheit in der Vielfalt‘ dringender denn je.“ Er fordert die „Verständigung auf gemeinsame Grundwerte im Sinne der UN-Menschenrechtscharta“.

Say betont derweil, dass er die Meinungsfreiheit immer respektiert habe und es niemals seine Absicht gewesen sei „eine Gruppe, eine Person oder Organisation zu beleidigen”. Im Internet wurde nun die Petition „Support Fazıl Say“ gestartet, um ihn zu unterstützen. Bereits über 3.000 Personen haben im Namen der Meinungsfreiheit unterzeichnet. Er selbst appelliert an die Öffentlichkeit: „Bevor Menschen mich verurteilen, sollten sie sich ein wenig Zeit für meine Musik nehmen, um zu verstehen, wie ich über die Werte unserer Gesellschaft denke“.

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