Abtreibungsverbot: Gruppe der „Irritierten Männer“ macht sich für Rechte der Frauen stark

Unter den Tausenden Frauen, die in den letzten Tagen gegen ein geplantes Abtreibungsverbot in der Türkei auf die Straße gegangen sind, waren nicht wenige Männer anzutreffen. Solidarisch geselleten sie sich zu ihren Ehefrauen, Schwestern und Müttern. Organisiert wurden die Proteste bisher vor allem von Frauenrechtsorganisationen. Jetzt tritt erstmals eine Männergruppe auf den Plan.

Eine Gruppe von Männern, die sich selbst die „irritierten Männer“ nennt, hat sich am 5. Juni in Istanbul versammelt, um geschlossen ihre Stimme gegen das geplante Abtreibungsverbot der Regierung zu erheben. Schon bevor dieses Thema eine breite Debatte auslöste, die mittlerweile international wahrgenommen wird, haben sich die Herren mit Frauenrechten befasst. „Bis vor einer Woche war unsere Agenda Mord gegen Frauen. Jetzt sprechen wir über das Abtreibungsverbot. Die neoliberale Politik der Regierung hat uns an diesen Punkt gebracht“, so der Sprecher der Gruppe, Orhan Cerav (auch der stellvertretender CHP Fraktionsvorsitzende Akif Hamzaçebi wandte sich mahnend in Richtung Erdogan – mehr hier).

Bürgermeister von Ankara brachte Fass zum Überlaufen

Die Gruppe, so heißt es in den türkischen Medien, hätte beschlossen, etwas gegen die „männliche Sichtweise über Abtreibung“ zu unternehmen. Konkret geht es ihnen um die Aussagen des Bürgermeisters von Ankara, Melih Gökçek. „Frauen töten ihre Babys, die in Folge eines Ehebruchs geboren werden. Warum müssen Babys wegen dieser so genannten Mütter sterben? Lasst die Mütter sich selbst töten“, hatte Gökçek am 1. Juni während einer Nachrichtensendung des Privatsenders Samanyolu erklärt.

Für Cerav jedenfalls waren diese Worte das, was sein Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Er ist überzeugt, dass die öffentliche Opposition dringend eine männliche Front benötige. Genau aus diesem Grunde hätten sie sich versammelt. „Es geht nicht nur um Frauen. Auch Männer sind irritiert von der Anti-Abtreibungs-Kampagne der Regierung. Doch das sollten wir auch zeigen“, so Cerav entschlossen (auch der Ausschuss für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung des Europarats hat seine Besorgnis über die Initiative der türkischen Regierung hinsichtlich eines Abtreibungsverbotes zum Ausdruck gebracht – mehr hier).

Weiterer Protest am kommenden Sonntag geplant

Aktiv ist die Gruppe bereits seit längerem. Ihren Anfang nahm sie mit dem Fall der italienischen Künstlerin Pippa Bacca, die in der Türkei vergewaltigt und ermordet wurde. Die Gruppe plant am kommenden Sonntag erneut im Istanbuler Stadtteil Beyoglu zu protestieren.

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