Türkei sperrt russisches Facebook: Urlauber empört über „vkontakte“ Blockade

Viele Russische Touristen, die gerade ihren Urlaub in der Türkei verbringen, sind gar nicht gut auf die türkische Regierung zu sprechen. Sie sind erzürnt, weil man hier entschieden hat, ihr Lieblingsnetzwerk "vkontakte" zu sperren.

Da staunten viele russische Urlauber sicher nicht schlecht: Kontakte pflegen, Freunden die neuesten Urlaubsbilder präsentieren, einen kurzen Plausch mit den Daheimgebliebenen halten – von der Türkei aus alles nicht möglich. Das beliebteste Soziale Netzwerk ihrer Nation, das im Volksmund wegen seiner frapierenden Ähnlichkeit zur Zuckerberg-Erfindung als das „russische Facebook“ bezeichnet wird, ist vom sonnigen Süden aus nicht erreichbar.

„vkontakte“, das nach fast sechsjährigem Bestehen Anfang des Jahres auf die internationale Domain vk.com umgezogen ist, kommt zwar nicht an die fast eine Milliarde Facebook-User heran, hat in Russland und den angrenzenden Staaten aber ebenfalls mehr als 120 Millionen Nutzer. Bereits seit 2. Mai, so berichtet die Nachrichtenagentur Doğan, müssen jedoch all jene, die eine Auszeit in der Türkei verbringen, auf diese Art Kommunikation mit ihren Liebsten verzichten (auch Reporter ohne Grenzen haben die Türkei in Sachen Internetzensur im Auge – mehr hier).

„vkontakte“: Unerlaubt Tarkan-Video wiedergegeben

Seine Verbannung aus der türkischen Interntsphäre verdankt „vkontakte“, das 2007 vom jetzt 27-jährigen Pawel Durow gegründet wurde, der Istanbuler Staatsanwaltschaft, die im Zuge einer Urheberrechtsverletzung aktiv wurde. Denn auf „vkontakte“ fand sich – wie im US-amerikanischen Original – nicht nur jede Menge privater Kram der Mitglieder, sondern auch eine unerlaubte Video-Wiedergabe: und zwar ausgerechnet ein Song des türkischen Superstars Tarkan.

Mittlerweile, so beschreibt ein Hotelmanager in Göynük, in der südlichen Provinz Antalya, gegenüber der Presse, wären allerdings Hunderte von Beschwerden frustrierter russischer Urlauber eingegangen, die während der schönsten Zeit es Jahres plötzlich feststellen mussten, dass ihre Lieblingswebseite so fern wie die eigene Heimat ist. „‚vkontakte‘ ist in Russland und in den umliegenden Staaten eine Riesensache“, so der Hotelmanager. Bisher sei die Saison nicht besonders gut gelaufen und diese Sperrung mache die Sache für sein Haus noch schlimmer als es ohnehin schon sei (seit Ende vergangenen Jahres gibt es in der Türkei ein Interentfilter-System – mehr hier).

In der Zwischenzeit, so heißt es in den türkischen Medien, habe sich sogar der Chef des türkischen Hotelverbands in die Angelegenheit eingeschaltet. Persönlich soll er bei der Regierung darum gebeten haben das Verbot zu überdenken.

Mehr zum Thema:

Unfassbar: Erdoğan verfolgt Star-Pianist Fazıl Say wegen Twitter-Witz
Mit uns keine Zensur! Alle 33 Redakteure der türkischen „Hedef Halk“ kündigen
Türkei: Presserecht soll sich dem Web 2.0 anpassen

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.