Mehr Leid als Gutes! AKP Abgeordnete stellt sich gegen Abtreibungsverbot

Der Widerstand in den Regierungsreihen wird größer: Neben zahlreichen weiblichen Abgeordneten hat sich nun auch die AKP-Abgeordnete Mesude Nursuna Memecan aus Sivas gegen die Pläne der Regierung ausgesprochen. Sie warnt vor einer Verschärfung des bisherigen Abtreibungsparagraphen. Ein Verbot würde großen Schaden verursachen. Abgesehen davon gäbe es keine Frau, die einen solchen Eingriff ohne gute Gründe vornehmen ließe.

Im Gespräch mit der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“, sagte Memecan: „Ich glaube nicht, dass ein Abtreibungsverbot jemals einen Nutzen bringen wird. Ich denke sogar, dass ein komplettes Verbot großen Schaden [für die Frauen] mit sich bringen wird. Abtreibungen zu verbieten, das bedeutet nämlich nicht, dass solche nie wieder vollzogen werden. Solch ein Verbot wird mehr Schwierigkeiten für die Frauen und Risiken für deren Leben nach sich ziehen.“ Sie ist überzeugt, werde die Gesetzesänderung tatsächlich durchgezogen, dann bedeute das ein Abdrifften in die Illegalität – mit allen damit verbundenen Gefahren (die türkische Familienministerin Fatma Şahin – mahnte ebenfalls zu einer differenzierten Sicht – mehr hier).

Memecan: Türkische Entwicklung muss beobachtet werden

Wie Memecan weiter fortfährt, seien sowohl Abbrüche als auch Kaiserschnitte, die viele negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können, Qualen für die Frauen und ohne eine starke Motivation würde sich wohl auch keine Frau für eine Beendigung der Schwangerschaft entscheiden.

„Der gegenwärtige Zustand ist nicht besorgniserregend [hinsichtlich der Rate der Abtreibungen und Kaiserschnitte], doch wenn es hier zu einem Anstieg kommt,  sollte das Bewusstsein für die Vorteile einer natürlichen Geburt gestärkt werden, ebenso für die Gründe für eine Abtreibung und ihre Folgen“, so Memecan.

Türkische Abtreibungsdebatte reißt seit zwei Wochen nicht ab

Die Debatte um dieses Thema hält in der Türkei nun bereits seit gut zwei Wochen an. Damals hatte sich der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan in zwei flammenden Reden gegen Abtreibung ausgesprochen. Darin bezeichnete er einen Abbruch nicht nur als Mord, sondern zeigte sich auch überzeugt, dass sowohl Abtreibungen als auch Kaiserschnitte „geheime“ Schachzüge seien, um das Wirtschaftswachstum der Türkei zu verzögern. Seiner Ansicht nach sollte niemand das Recht haben einer Abtreibung zuzustimmen.

Später erklärte Erdoğan, dass seine Regierung bereits an einem entsprechenden Gesetzesentwurf arbeite. Mit seinen Aussagen zog er sich nicht nur den Zorn von Frauenrechtsgruppen und Männern zu, auch mehrere weibliche Abgeordnete brachten ihren Unmut zum Ausdruck (Tausende Bürgerinnen und Bürger gingen am vergangenen Wochenende in mehreren türkischen Städten auf die Straße – mehr hier). Seither brennt die Debatte, ob eine Regierung das Recht habe in die Wahlmöglichkeiten der Menschen einzugreifen.

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