„Tötet gefährliche Kinder“: Umstrittener türkischer Schuldirektor wird freigesprochen

Ein türkisches Gericht hat am vergangenen Freitag einen umstrittenen, ehemaligen Schuldirektor aus Erzurum freigsprochen. Der Mann hatte gefordert, alle potentiell für die Gesellschaft gefährlichen Kinder zu töten noch "bevor sie laufen können".

Als Reaktion auf seine hanebüchenen Aussagen hatte eine Kinderrechtsgruppe gegen Musrafa Aydın Klage eingereicht. Sie beschuldigten den einstigen Leiter der Grundschule von Dumlupınar“einen Teil der Gesellschaft auf Grund ihres sozialen Status zu beleidigen“. Noch während der gerichtlichen Anhörung, so heißt es in den türkischen Medien, habe sich Aydın für seine Aussagen entschuldigt und sein Bedauern über das Gesagte zum Ausdruck gebracht.

Kinder aus Problemfamilien: Sozialschwach heißt gewaltätig?

Bei einem Treffen, auf dem es um Gewaltprävention unter Kinder ging und das von der Polizei ín der Provinz Erzurum organisiert wurde, hatte er zuvor erklärt: „Die Kinder sollten sofort nach der Geburt untersucht werden. Wenn sie sich schädlich für dieses Land, diese Nation erweisen, dann sollten sie entfernt werden noch bevor sie laufen können.“ (er forderte den Abgleich der Blutproben von Neugeborenen mit denen von Straftätern – mehr hier). Daneben hatte Aydın auch auf die Zahl der obdachlosen und armen Kinder in der Gemeinde hingewiesen und prangerte die Gewalt an, die gerade unter den Kindern aus einkommensschwachen Familien herrsche. 90 Prozent der Kinder mit gewalttätigem Hintergrund kämen, so führte der Schuldirektor weiter aus, aus sozialschwachen Familien und würden unter entsprechender Betreuung leben. Um seine Argumentation zu untermauern verwies er auf die Situation der Straßenkinder in Brasilien („Save the Children“ listet die Türkei derzeit auf Rang 47 – mehr hier).

Nach dem Vorfall, der sich im vergangenen Februar zugetragen hatte, wurde auch das Bildungsministerium aktiv und hat Aydın von seinen Aufgaben als Rektor entbunden. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Der Fall sorgte auch für einiges mediales Aufsehen. Der ehemalige Pädagoge selbst fühlte sich allerdings missverstanden. „Fragt mich nichts“, so erklärte er gegenüber den Medien. „30 Jahre berufliche Karriere hat ein einziger Satz zunichte gemacht. Wenn ich nur ein Wort sage, wird es wieder falsch verstanden. Mein letzter Satz wurde falsch verstanden.”

Seine Aussagen wurden allerdings aufgezeichnet:

Mehr zum Thema:

Türkischer Schuldirektor: „Tötet alle potentiell gefährlichen Kinder!“
Globaler Vergleich: Türkische Jugendliche hinken ihren Altersgenossen hinterher
Türken lesen durchschnittlich alle zehn Jahre ein Buch

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.