„Nipplegate“ in Istanbul: Ging Madonna in ihrem Konzert zu weit?

Ob türkische Madonna-Fans wohl auch ein "Fingergate" zu erwarten hätten? Was nach der Einlage von Rapperin M.I.A. während dem US-amerikanischen Super Bowl Finale in Indianapolis, noch wie ein Scherz klang, das hat sich jetzt bewahrheitet. Die 53-jährige Sängerin hob allerdings nicht den Mittelfinger. Vermutlich aus Solidarität mit türkischen Abtreibungsgegnerinnen zog sie gleich ganz blank.

Wird sich das Super Bowl Desaster wiederholen? Was plant die “Queen of Pop” während ihrer anstehenden MDNA-Welttour, die sie von Tel Aviv bis Miami führt? Gibt es einen ähnlichen Skandal wie der während der Halbzeitshow? (kurz nach dem Zwischenfall veröffentlichte Madonna die Tourdaten – mehr hier). Zunächst schien es fast so, als hätten die Fans in Istanbul nicht mit einem weiteren Skandal zu rechnen. Den Mittelfinger, den Kollegin M.I.A. für den Bruchteil einer Sekunde gen Publikum richtete, bezeichnete sie jedenfalls als kindisch und mehr als unpassend (für sie sendete die Geste negative Signale aus – mehr hier).

Madonna: Linie des guten Geschmacks erneut überschritten?

Doch wer Madonna kennt und ihre Karriere in den letzten Jahrzehnten auch nur im Ansatz verfolgt hat, der weiß, dass es die Künstlerin in Sachen Provokation noch um einiges weiter treiben kann. Ganz so weit wie im Fall von Lady Gaga, die auf Grund von Protesten radikaler Islamisten in Indonesien ihren Auftritt absagen musste, gingen die Befürchtungen aber offenbar nicht. Doch das, was sie dann während ihres Auftritts in der Türk Telecom Arena von Istanbul am 7. Juni veranstaltete, lag für viele dann doch nicht nur haarscharf, sondern bereits kilometerweit hinter der Linie des guten Geschmacks.

Denn: Madonna tat das, was sie auch in der Vergangenheit immer wieder gerne getan hat – sie zog blank. Vor gut 55.000 Zuschauern erschien sie zu ihrem Song „Human Nature“ aus dem Jahr 1995 zunächst völlig züchtig gekleidet. Weiße Bluse und schwarze Nadelstreifenhose trügten allerdings. Schnell wich die Garderrobe lediglich einem schwarzem Spitzen-BH. Und dann passiert es: Madonna reißt das letzte Stückchen Stoff herunter und entblößt ihre rechte Brust vollständig.

Ohne Grund, so wird derzeit spekuliert, habe die „Girl Gone Wild“-Interpretin, die vor gut 20 Jahren das letzte Mal in der Türkei aufgetreten war, das allerdings nicht getan. Vielmehr soll sich die vierfache Mutter auf diese Weise in die heftige türkische Abtreibungsdebatte eingemischt haben – auf ihre Art, versteht sich. Mit einem blanken Busen und dem Spruch „No Fear“ auf dem Rücken bekundete sie also ihre Unterstützung der „Mein Körper gehört mir“-Kampagne liberaler türkischer Frauen, die am vorletzten Wochenende zu Tausenden auf die Straße gingen (selbst eine AKP-Abgeordnete hat sich kürzlich von den Plänen der Regierung distanziert, Abtreibungen zu verbieten – mehr hier).

Einige empfinden das, was Madonna da veranstaltet hat, als peinlich. Andere sagen sogar, so etwas sei völlig daneben und für ein muslimisches Land mehr als unangebracht. Eine Sache hat sie aber einmal wieder geschafft: Jeder redet darüber – und damit auch über eine Debatte, die das Land seit mehr als zwei Wochen entzweit und letztlich über das Schicksal unzähliger Frauen entscheiden wird.

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