Euro 2012: Iranische Frauen dürfen nicht zum Public Viewing

Allein 400.000 Fußball-Fans haben den ersten Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EM in Polen und der Ukraine am vergangenen Samstag verfolgt. Ausgelassenes Public Viewing das gehört hier wie andernorts dazu wie ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer. Iranische Frauen können von einem solchen Vergnügen allerdings nur träumen.

Wie der stellvertretende iranische Polizeichef bekannt gab, ist es den Frauen des Landes nicht gestattet, solchen öffentlichen Fußball-Vorführungen, die in der Zeit der EURO 2012 Millionen von Menschen erfreuen, beizuwohnen. Der Grund hierfür, so der Polizeichef, sei die „unangemessene“ Umgebung, in der diese Public Viewing-Veranstaltungen stattfinden würden. Männer, so seine Argumentation, könnten hier zu Rowdys werden.

Verbot: Iranische Frauen sollen Polizei dankbar sein

„Es ist eine unangemessene Situation, wenn Männer und Frauen gemeinsam in Kinos Fußball schauen“, so  Bahman Kargar, Irans stellvertretender Polizeichef und zuständig für soziale Fragen, gegenüber der Nachrichtenagentur ISNA. Männer würden sich beim Zuschauen aufregen, manchmal vulgär werden und sogar schmutzige Witze reißen. „Es entspricht nicht der Würde von Frauen gemeinsam mit Männern ein Fußball-Spiel anzusehen.“ Frauen, so seine Meinung, sollten der Polizei für das Verbot dankbar sein.

Selbstverständlich wird die EURO 2012 im so Fußball verrückten Iran ausgestrahlt. Die Fans können die Spiele nicht nur zuhause, sondern beispielsweise auch in zahlreichen öffentlichen Kinos mitverfolgen. Eine Praxis, die sich bei Paaren und Familien während der WM 2010 und des AFC Asien-Pokals 2011 als äußert beliebt erwiesen hat und nun fortgesetzt wurde.

Vermischung der Geschlechter führt zu Verderbnis

Nicht wenige iranische Hardliner unter den Politikern fordern genauso wie erz-konservative Kleriker eine strikte Trennung von Männern und Frauen. Sie sind der Ansicht, dass eine Mischung von Männern und Frauen, die nicht miteinander verwandt sind, zu Verderbnis führen werde. Schon jetzt müssen iranische Frauen eigene Schwimmbäder, Strände und Parks in der islamischen Republik benutzen. In öffentlichen Bussen fahren sie im hinteren Teil mit. Daneben gibt es für sie eigene Busse oder Taxis. Auch alle Schulklassen sowie die Vorlesungen in einigen Universitäten werden in Iran getrennt abgehalten. Frauen sind auch gesetzlich verpflichtet, die islamische Kleiderordnung zu beachten. Auch darüber wacht die strenge iranische Sittenpolizei, die seit Jahren „Jagd“ auf Schlechtverhüllte macht (strikt ist hier auch Saudi-Arabien. Frauen dürfen dieses Jahrs nicht einmal bei den Olympischen Spielen teilnehmen – mehr hier).

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