Abtreibungsverbot: Mehrheit der Türken sagt Nein!

Seit mehr als zwei Wochen tobt in der Türkei eine heftige Debatte um das Thema Abtreibung. Selbst US-Megastar Madonna hat sich mit einem "Nipplegate" während ihres Konzertes am vergangenen Donnerstag eingemischt. Mit ihrer ablehnenden Haltung hinsichtlich eines möglichen Abtreibungsverbotes steht sie übrigens nicht nur auf der Seite vieler Frauen, sondern für die Mehrheit der Bevölkerung, die von Erdogans Plänen rein gar nichts hält.

Laut einer an diesem Montag veröffentlichten Umfrage des Konsensus Forschungszentrums lehnt die Mehrheit der türkischen Bevölkerung die Bestrebungen der Regierung, das geltende liberale Abtreibungsrecht aus dem Jahr 1983 erheblich zu verschärfen, entschieden ab. Insgesamt 55,5 Prozent gaben an, so berichtet unter anderem die türkische „Hürriyet“, dass sie gegen ein Abtreibungsverbot seien. Ihnen stehen aber immerhin 44,5 Prozent gegenüber, die ein solches begrüßen würden. Befragt wurden hierfür zwischen dem 24. Mai und 6 Juni 1500 Personen.

Grenze bei der vierten Woche kommt Verbot gleich

Die Umfrage ist die erste ihrer Art zu diesem Thema seit der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan den umstrittenen Satz „Abtreibung ist Mord“ geäußert hat. Nur kurz nach diesem Ausspruch wurde bekannt, dass die regierende AKP bereits ein entsprechendes Gesetz plane, dass eine Abtreibung nach der vierten Schwangerschaftwoche verbiete. Bisher liegt die legale Grenze für einen Abbruch bei der zehnten Woche. Für Fachleute kommt diese kurze Frist daher einem Abtreibungsverbot gleich. Sie argumentieren, dass die meisten Frauen ihre Schwangerschaft in einem derart frühen Stadium noch nicht einmal bemerken würden.

Erdoğan hat hingegen bereits des Öfteren dazu aufgerufen, dass türkische Frauen mindestens drei Kinder haben sollten. 2004 gab es sogar Bestrebungen innerhalb seiner Partei Ehebruch zu kriminalisieren. Nur dem Druck der Europäischen Union ist es zu verdanken, dass dieses Vorhaben nicht weiter verfolgt wurde.

Maud de Boer-Buquicchio setzt sich für Frauen ein

Nicht nur internationale Stars wie Madonna (sie entblößte während ihres Konzerts in Istanbul ihre rechte Brust – mehr hier), türkische Frauenrechtsgruppen und Politikerinnen sind schockiert über das Ansinnen der Regierung. Auch Maud de Boer-Buquicchio, die im Juni 2002 als erste Frau zur stellvertretenden Generalsekretärin des Europarats ernannt wurde, zeigt sich besorgt. Sie soll das Thema bereits mit Mitgliedern der türkischen Regierung diskutiert und sich gegen die „repressiven Maßnahmen“ gegenüber türkischen Frauen gestellt haben. Sie ist damit der gleichen Ansicht wie unter anderem die AKP-Abgeordnete Mesude Nursuna Memecan aus Sivas, die erst kürzlich ihre Stimme gegen Erdoğan erhob (sie befürchtet ein Abdrifften in die Illegalität – mehr hier): „Ein Abtreibungsverbot ebnet den Weg für illegale Eingriffe für diejenigen, die Geld haben“, so de Boer-Buquicchio (die türkische Familienministerin Fatma Şahin mahnte übrigens ebenfalls zu einer differenzierten Sicht – mehr hier).

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