Novum im türkischen Schulsystem: Kurdisch könnte schon bald Wahlfach werden

Am vergangenen Freitag hieß es für gut 17 Millionen türkische Schülerinnen und Schüler: Ab in die Sommerferien. Doch schon bald könnte sie eine entscheidende Neuerung erwarten. Wie der stellvertretende Ministerpräsident Beşir Atalay erklärte, könnte kurdischer Sprachunterricht als Wahlfach ins Schulsystem aufgenommen werden.

Laut Atalay arbeite die türkische Regierung gerade an einem neuen Vorschlag, die den Geltungsbereich der demokratische Initiative der Türkei erweitern und den Kurden mehr kulturelle Rechte einräumen soll. Hierzu erklärte Atalay am vergangenen Sonntag: „Das neue Erziehungspaket hat viele Dimensionen. Eine davon ist es die Schüler in ihren Muttersprachen zu unterrichten. Daran arbeiten wir gerade. Die endgültige Erklärung hierzu wird der Premierminister selbst abgeben.“

Erklärung von Erdoğan diese Woche erwartet

Es wird erwartet, so heißt es in den türkischen Medien, dass Recep Tayyip Erdoğan die Einführung von Kurdisch als Wahlfach noch in dieser Woche während eines AKP-Treffens verkündet. Erst vor kurzem gab die Regierung einscheidende Veränderungen im türkischen Schulsystem bekannt. Das neue dreigliedrige Bildungssystem, bekannt unter dem Kürzel „4+4+4+“, sieht nicht nur eine Erhöhung der türkischen Schulpflicht von acht auf zwölf Jahren vor, sondern auch eine stärkere Betonung der beruflichen Bildung in den Schulen (die Wirtschaftswelt zeigte sich angetan – mehr hier).

Wie die türkische „Zaman“ unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet, soll Kurdisch künftig ab der Sekundarstufe für drei oder vier Stunden pro Woche angeboten werden. Derzeit gibt es für dieses Fach allerdings keine ausgebildeten Lehrkräfte. Unterrichtet werden soll daher vorerst von erfahrenen Lehrkräften, die Kurdisch fließend beherrschen (in NRW hingegen gibt es ab kommendem Schuljahr islamischen Religionsunterricht – mehr hier).

Kurdisch in der Schule vor allem im Osten und Südosten

Atalays Hinweis auf das „Lernen der Muttersprache“ kommt nicht überraschend. Auch Bildungsminister Ömer Dinçer hatte schon während der „4+4+4+“-Gespräche angedeutet, dass Kurdisch in türkischen Schulen unterrichtet werden könnte. In diese Richtung hatte sich am vergangenen Montag zudem ein anonymer Insider aus dem Bildungsministerium gegenüber der türkischen Zeitung „Vatan“ geäußert. Es werde demnach erwartet, dass vor allem Kinder in den östlichen und südöstlichen Provinzen der Türkei, also aus überwiegend kurdischen Gebieten, diese Klassen besuchen werden. Die gleiche Quelle kündigte zudem an, dass Kurdisch den Schülern genauso wie anderer Fremdsprachenunterricht angeboten werden soll. In den meisten türkischen Schulen wird bisher Englisch, Deutsch und Französisch gelehrt. In Zukunft sollen die Schülerinnen und Schüler jedoch die Möglichkeit haben, stattdessen oder auch zusätzlich Kurdisch zu wählen.

Entsprechend sollen den Schülerinnen und Schülern auch Lehrmittel wie CDs oder DVDs zur Verfügung stehen. Das Material solle zudem Informationen über die kurdische Kultur beinhalten. Das Bildungsministerium erwägt außerdem einigen Privatschulen zu erlauben Kurdisch als Haupt-Unterrichtssprache zu verwenden. In diese Richtung habe es allerdings, so die Quelle weiter, noch keine Anstrengungen gegeben.

Bereits im Jahr 2011 wurden an den Universitäten von Mardin Artuklu und Muş Alparslan erste Kurdisch-Kurse eingerichtet. Die ersten Absolventen dieser Klassen werden die Hochschulen 2015 verlassen. Auch die Uni von Batman soll schon bald eine Abteilung für Kurdisch einrichten.

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