Gesundheitsminister: Türkische Regierung will in Abtreibungsfrage einen „Mittelweg“ finden

Die hitzige Debatte um das Thema Abtreibung in der Türkei geht in eine neue Runde: Wie Gesundheitsminister Recep Akdağ nun ankündigt, werde der Vorschlag der Regierung, der dem Parlament vorgelegt werden soll, einen "Mittelweg" finden, der sowohl das Recht der Mutter auf eine Wahl als auch das Recht des Fötus auf Leben berücksichtigen werde. Konkreter wurde er allerdings nicht. Der Diskussion bietet er damit mehr Zündstoff, als dass er Klarheit schafft.

Auf kam die Abtreibungsdebatte diesmal auf gänzlich themenfremden Terrain, nämlich während einer Pressekonferenz zur zehnten Türkisch-Olympiade. Nachdem er von den anwesenden Journalisten hierzu befragt wurde, erklärte Akdağ, dass das Gesundheitsministerium, das Ministerium für Familie und Soziales, das Justizministerium und das Wissenschaftsministerium gemeinsam an einem Bericht arbeite, der mehrere Vorschläge zum Thema Abtreibung enthalte.

Wie Akdağ weiter erläutert, werde das Ganze zunächst an den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan gehen und anschließend dem Kabinett vorgelegt werden. Details nannte der Minister allerdings auch diesmal nicht und bietet damit weiterhin viel Raum für Spekulation (in einer Umfrage hatte sich die Mehrheit der Türken gegen ein Abtreibungsverbot ausgesprochen – mehr hier).

Türkei: 14.8 Abtreibungen pro 1000 Frauen

Einen entsprechenden Gesetzesentwurf hatte Erdoğan bereits letzten Monat angekündigt und mit seinem Ausspruch Abtreibung sei Mord eine hitzige Debatte ausgelöst, die mittlerweile internationales Niveau erreicht hat (derzeit gehen die Diskutanten davon aus, dass die legale Abtreibungsgrenze auf die vierte Schwangerschaftswoche fallen wird – mehr hier).

Die bisherige rechtliche Regelung sieht seit 1983 eine legale Abtreibung bis zur zehnten Schwangerschaftswoche vor. Dennoch sind Schwangerschaftsabbrüche seitdem stetig zurückgegangen. Und das, obwohl sich die Türken im Laufe der Jahre für immer weniger Kinder entschieden haben. Mit 14.8 Abtreibungen pro 1000 Frauen (Stand 2008) liegt die Türkei übrigens noch heute hinter den weltweiten UN-Zahlen mit 28 pro 1.000 bzw. 27 pro 1.000 in Europa zurück.

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