Tief unter dem Bosporus: Konstruktion des neuen Wassertunnels abgeschlossen

STFA, ein bekanntes türkisches Vertragsunternehmen, hat den Bau eines Bosporus-Tunnels, der Teil des Melen-Projekts ist, abgeschlossen. Mit dem Projekt soll die Wasserversorgung der bevölkerungsreichsten Provinz der Türkei bis 2060 sichergestellt werden.

Der Bau des Tunnels, so heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung des Unternehmens, der die Kapazität besäße fast drei Millionen Kubikmeter Wasser von der anatolischen Seite der Stadt auf die europäische Seite zu transportieren, wurde in 1.200 Tagen abgeschlossen. Nun befindet sich der Tunnel ganze 145 Meter unter dem Bosporus.

Auf die Vollenung des Megaprojekts ist man innerhalb der STFA sichtlich stolz: Schon immer sei man bei großen Bauprojekten in der Türkei ganz vorne mit dabei gewesen. Nun sei man auch dabei gewesen, den ersten Tunnel zu bauen, der beide Ufer des Bosporus‘ miteinander verbinde, so Mehmet Ali Neyzi, Chief Executive von STFA Holdings Investment, während einer Pressekonferenz am Tunnel (große Hoffnungen werden derzeit auch in den Bau einer dritten Bosporus-Brücke gesetzt – mehr hier).

Türkische Baufirma STFA nicht nur in der Türkei aktiv

Erfahrung in Sachen Bosporus hatte das Unternehmen bereits vorher mit zwei Projekten sammeln können. Konkret war man an der Realisierung der Bosporus Energieübertragung und der zweiten, 1992 eröffneten Bosporus-Brücke beteiligt. Mittlerweile ist das Unternehmen sogar im Ausland aktiv. So überzeugte die STFA zusammen mit ihren beiden Partnern Fernas und Kalyon und erhielt mit einem Gebot über 173 Millionen US-Dollar den Zuschlag für den Bau eines Wasserversorgungssystems in Arbil im Irak. Ebenso konnte man sich bei der Ausschreibung der Hafenerweiterung von Dareen in Saudi-Arabien durchsetzen.

2004 geriet die Baufirma in die Schlagzeilen, als bei einem Minenunglück in der Nordtürkei in 148 Metern Tiefe mindestens 19 Arbeiter ums Leben kamen und 17 weitere verletzt wurden. Damals war während eines Tunnelbaus nahe der Stadt Kure, 350 Kilometer nordöstlich von Ankara, ein Feuer im Zuge von Schweißarbeiten ausgebrochen. Zwei Arbeitern gelang es damals sich selbst zu retten, während andere in der Mine eingeschlossen waren. Nach damaligen Angaben der Baufirma STFA erstickten die meisten Todesopfer.

Wasserversorgung: Fluss Melen wird gestaut

Wie die TU Berlin informiert, wird erwartet, dass die Bevölkerung in der Region Istanbul von 13,3 Millionen Einwohnern im Jahr 2010 auf satte 23,6 Millionen im Jahr 2040 anwachsen wird. Der Wasserbedarf werde sich im gleichen Zeitraum mehr als verdoppeln. „Nahezu 100 % des Trinkwassers in Istanbul werden aus aufbereitetem Oberflächenwasser gewonnen. Um den langfristigen Wasserbedarf Istanbuls (…) zu sichern, wurde das ‚Melen-Projekt‘ ins Leben gerufen“, heißt es in der Begleitinformation zum internationalen Alumni-Seminar „Integriertes Wasserressourcen-Management“.

Etwa 180 Kilometer von Istanbul entfernt solle deshalb der in Asien liegende Fluss Melen in der Nähe des Schwarzen Meeres aufgestaut werden. Vom Stausee solle dann das Wasser durch eine Rohrleitung zur Wasseraufbereitungsanlage Istanbul Cumhuriyet gepumpt werden. Schließlich gelangt das aufbereitete Wasser durch die nun fertiggestellte Rohrleitung in den europäischen Teil Istanbuls (Istanbul soll nach dem Willen Erdogans um jeden Preis modernisiert werden – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Dritte Bosporus Brücke und Nordmarmara-Autobahn: Projekt könnte Tausende Arbeitsplätze schaffen
Neue Touristenattraktion in Istanbul: Seilbahn über den Bosporus geplant
Mehr Elektrizität für Istanbul: Türkei plant Unterwasserleitungen

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.