Türkische Arbeitgeber: Sie gehören zu den optimistischsten weltweit

Murren, meckern, den Kopf in den Sand stecken? Das scheint so gar nicht das Ding türkischer Arbeitgeber zu sein. Wie eine aktuelle Umfrage jetzt hervorbrachte, gehören sie mit zu den optimistischsten Leuten, wenn es um die Job-Möglichkeiten in ihrer Region geht. In der EU sieht die Lage völlig anders aus.

Im Rahmen einer Untersuchung, die sich unter anderem mit den Arbeitsmarktchancen in der Türkei für das dritte Quartal dieses Jahres befasst und von der ManpowerGroup durchgeführt wurde, fanden mehr als 1000 Gespräche mit türkischen Arbeitgebern statt. Diese förderten zu Tage, dass die Türkei mit Indien, Taiwan, Brasilien und Singapur zu den fünf optimistischsten Ländern gehört. Insgesamt wurden 65.000 Arbeitgeber aus 41 Ländern und Territorien befragt.

Die Teilnehmer wurden gebeten, die Beschäftigungslage in ihrem Unternehmen bis Ende September dieses Jahres im Vergleich zum laufenden Quartal zu beurteilen. Unter den türkischen Arbeitgebern gaben 34 Prozent an, dass sie für das dritte Quartal mit weiteren Einstellungen rechnen würden. 54 Prozent sehen für das dritte Quartal allerdings keine Änderungen innerhalb ihrer Belegschaft.

Bildungssektor: Regierung verspricht Beschäftigungszuwachs

Wie Dalia Narkis, ManpowerGroup East Mediterranean Regionalmanager, erklärt, hätten angesichts des derzeitigen positiven Beschäftigungsatmosphäre nicht weniger als 27 Prozent der Stellensuchenden in der Türkei im nächsten Quartal die Möglichkeit einen Job zu bekommen. Gerade im Bildungssektor, so führt er weiter aus, gäbe es von Seiten der Regierung erhebliche Anreize. Die Beschäftigungsraten, so wurde versprochen, würden hier drastisch ansteigen (wie Premier Erdogan vergangene Woche ankündigte, soll künftig auch Kurdisch als Wahlfach angeboten werden – mehr hier).

Betrachte man die EMEA-Region, also Europa,Naher Osten und Afrika, als Ganzes, seien die Beschäftigungsmöglichkeiten besonders unter jungen Menschen auf Grund des unsicheren Marktes in Folge der europäischen Staatsschuldenkrise und wachsender Arbeitslosigkeit schwach. Die Umfrage der ManpowerGroup untersuchte die Beschäftigungsmöglichkeiten in der Türkei in fünf separaten Gebieten – nämlich Marmara, Zentral-Anatolien, in der Ägäis, am Schwarzen Meer und am Mittelmeer. Die stärkste Erwartung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze für das nächste Quartal wurde mit 34 Prozent in Zentral-Anatolien gesehen. Marmara folgte mit 28 Prozent. Für das dritte Quartal 2012 geben türkische Arbeitgeber zudem einen positiven Ausblick für alle elf Industriesektoren. Die beste Erholung wird mit 35 Prozent derzeit in der Baubranche  gesehen (der Bau der dritten Bosporus-Brücke und das gesamte Nordmarmara-Autobahn-Projekt soll Tausende Arbeitsplätze schaffen – mehr hier). Der Bausektor gehört zu den wesentlichen Eckpfeilern der wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren. Insgesamt wird im Vergleich zum letzten Quartal in vier von elf Sektoren eine Beschäftigungszunahme erwartet. Sieben erwarten allerdings fallende Raten.

Der Sektor mit dem größten erwarteten Rückgang der Beschäftigung ist die verarbeitende Industrie in der Türkei. Unter den 41 Ländern und Regionen, in denen die Umfrage durchgeführt wurde, kamen diejenigen mit den schlimmsten Erwartungen, was nicht überraschend war, aus der EU. Die anhaltenden finanziellen Engpässe werfen hier lange Schatten auf viele Arbeitgebererwartungen. So ist es auch nicht verwunderlich, Griechenland, Irland, Spanien, Italien und Ungarn sind die fünf Länder, in denen Job-Anbieter die pessimistischsten Erwartungen für das Beschäftigungswachstum im kommenden Quartal angaben. 33 der 41 Länder zeigten sich hinsichtlich neuer Arbeitsplätze im kommenden Quartal jedoch optimistisch gestimmt.

Stete Arbeitslosenquote: Wirtschaftswachstum verlangsamt sich

In den ersten beiden Monaten des Jahres 2012 legte auch die türkische Arbeitslosenrate ein stabiles Wachstum hin. Waren es im Januar 10,2 Prozent, lag die Quote im Februar bei 10.4. Nicht wenige sehen darin ein Indiz für einen schleichenden Rückgang des türkischen Wirtschaftswachstums. Die Beschäftigungsrate im nicht-landwirtschaftlichen Bereich erreichte mit 12,7 Prozent im zweiten Monat des Jahres übrigens einen kritischen Wert. Über das gesamte Jahr betrachtet, sieht das Bild nur ein bisschen rosiger aus. Die Arbeitslosenquote in der Türkei sank im Februar um 1,1 Punkte gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahr auf 10,4 Prozent. Die Zahl der Menschen, die ohne Registrierung bei der Sozialversicherungsanstalt (SGK) arbeiteten, sank auf 37,5 Prozent, was einem Rückgang um 3,5 Prozent ab Februar des vergangenen Jahres bedeutet.

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