Keine WM, keine EM: Türkische SüperLig reduziert ab nächster Saison ausländische Spieler

Ob dieser Weg den gewünschten Erfolg bringen wird? Nachdem die türkische Nationalmannschaft weder bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika noch bei der derzeit stattfindenden EURO 2012 in Polen und der Ukraine dabei ist, soll es nun eine etwas unorthodoxe Maßnahme richten. Gedreht wird nicht etwa an den Trainingsmethoden, sondern an der Zusammensetzung der Mannschaft.

Die Entscheidung des TFF könnte die Arbeit des türkischen Nationaltrainers Abdullah Avcı wesentlich erleichtern. (Foto: DTN)

Die Entscheidung des TFF könnte die Arbeit des türkischen Nationaltrainers Abdullah Avcı wesentlich erleichtern. (Foto: DTN)

Für die Fußball begeisterte Türkei ist die aktuelle Situation eigentlich völlig inakzeptabel. Wenn sie einen türkischen Landsmann bei der derzeitigen Fußballeuropameisterschaft bewundern wollen, müssen sie auf den für Deutschland spielenden Nationalkicker Mesut Özil oder den Referee Cüneyt Çakır zurückgreifen (er pfiff Ukraine gegen Schweden – mehr hier). Für viele Fans nicht gerade befriedigend.

Schon beim letzten großen Sport-Event gab es für sie nichts zu Lachen. Doch das soll sich nun ändern. Wie? Das ist offenbar auch schon klar. Der allgemeine Konsens, so berichtet die türkische “Zaman” lautet derzeit: Es sind zu viele ausländische Spieler in der türkischen SüperLig. Einheimische Stars haben so nicht einmal die Möglichkeit auf höchstem Niveau Fußball zu spielen. Das wiederum habe letztlich auch negative Auswirkungen auf die türkische Nationalmannschaft.

Reduzierung ausländischer Spieler ab nächster Saison

Der türkische Fußballverband (TFF) kann es sich nicht leisten hier untätig zu bleiben, sondern muss handeln, um künftig wieder eine türkische Nationalmannschaft zu haben, die auch in großen Turnieren eine Rolle spielt. Gesagt, getan: Auf einer Vorstandssitzung am vergangenen Mittwoch ist dem Verband offenbar des Rätsels Lösung eingefallen. Systematisch soll nun die Anzahl ausländischer Top-Spieler beginnend mit der Saison 2013-14 reduziert werden.

Derzeit dürfen türkische Vereine bis zu acht ausländische Spieler innerhalb des Teams verpflichten. Gleichzeitig aufflaufen dürfen allerdings nur sechs. Bereits in der nächsten Saison wird das anders: Dann dürfen nur noch sechs verpflichtet werden. 2014-2015 sind es dann nur noch fünf.

Mit diesem Schritt wird sich nicht nur die Quote heimischer Spieler erhöhen, sondern für die Vereine auch noch satte Einsparungen mit sich bringen. Gelder, die sie sonst in ausländische Spieler investiert haben, müssen nicht mehr aufgebracht werden. Beispiel Beşiktaş: In der letzten Saison nahm der Verein fast ein Dutzend ausländischer Spieler unter Vertrag. Doch im Laufe der Saison konnten sie damit nicht einen Blumentopf gewinnen. Der portugiesische Stürmer Bebe, eine Leihgabe von Manchester United, spielte kaum in dieser Saison. Gleiches gilt für den Brasilianer Edu. Darüber hinaus steckt der Verein bis zum Hals in Schulden (die UEFA hat den Verein zudem von europäischen Wettbewerben ausgeschlossen – mehr hier) und muss künftig auch auf seinen Vorsitzenden Yıldırım Demirören verzichten, der seinen Hut nahm, um TFF-Präsident zu werden.

Ausländische Spieler: Hohe Kosten, kaum Erfolge

Trotz hoher Summen, die in der Vergangenheit in ausländische Spieler investiert wurden, hat sich die Lage des türkischen Fußballs also nicht wirklich verbessert. Eine direkte Folge: Die EURO 2012 müssen die Türken am Fernseher verfolgen. Geübt darin sind sie bereits. Denn 2010 während der WM war es genau das Gleiche. Die großen Vereine behaupten ausländische Spieler würden sie vor unlauterem Wettbewerb in den europäischen Wettbewerben retten. Tatsächlich sind aber genau jene Spieler ihren türkischen Kollegen in der SüperLig unterlegen.

Außerdem versperrt ihre Anwesenheit den Weg für den türkischen Fußball-Nachwuchs, der letztlich auch für die Türkei auflaufen soll. Der aktuelle Nationaltrainer Abdullah Avcı versucht derzeit das Problem zu lösen, indem er in Europa ansässige türkische Spieler in die Nationalmannschaft beruft. Bisher hat das auch ganz gut funktioniert. Die Türkei gewann vier seiner fünf Testspiele in Europa bevor die EURO 2012 ihre Pforten öffnete. Seine Arbeit könnte sich künftig jedoch wesentlich erleichtern, wenn die jüngste Entscheidung des TFF hinsichtlich ausländischer Spieler tatsächlich in Kraft tritt.

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