„Es ist Zeit zu gehen“: Fazıl Say verlässt die Türkei nach Twitter-Anklage

Ein Pianist über ein Jahr in Haft ohne sein Klavier? Jeder wisse, dass das seine Karriere ruinieren werden, erklärt Fazıl Say. 17 Monate fordert ein türkischer Staatsanwalt wegen beleidigenden Twitter-Nachrichten. Er erwägt nun, endgültig nach Tokio auszuwandern.

Schon nachdem die ersten Ermittlungen gegen ihn eingeleitet wurden, hatte der türkische Pianist Fazıl Say erklärt, er wolle eventuell auswandern. In einem aktuellen Interview mit Newsweek wiederholte er dieses Vorhaben, diesmal denke er allerdings nicht mehr nur darüber nach, sondern er habe vor, schon bald wirklich nach Tokio zu ziehen. Grund dafür ist eine drohende Haftstrafe in seinem Heimatland. Vor kurzem hat ein türkisches Gericht Anklage gegen ihn erhoben, weil er auf Twitter islamfeindliche Nachrichten verbreitete (im Interview mit den DTN zeigte er sich auch der Regierung gegenüber sehr kritisch – mehr hier). Dabei hatte es sich zwar nur um einen Retweet gehandelt, doch der Staatsanwalt sah darin einen ausreichenden Grund, um gegen Say vorzugehen.

„Jeder weiß, dass es die Karriere eines Musikers ruinieren würde, ihn auch nur mehr als drei bis vier Monate von seinem Instrument zu trennen“, erklärte Say im Hinblick auf die möglichen 17 Monate Haft (im Internet wurde die Petition supportfazilsay.com eingerichtet – mehr hier). Doch daran wolle er derzeit überhaupt nicht denken. „Ich habe 17 Jahre im Ausland gelebt und vielleicht ist es Zeit zu gehen“, so Say. Die Wahl werde wahrscheinlich auf Tokio fallen. Er glaubt, im Fernen Osten zu leben, werde gut für ihn sein.

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