Berg-Karabach-Konflikt: „Nicht Türken und Armenier, sondern Regierungen haben ein Problem“

Türkische und armenische Journalisten erkunden gemeinsam die Türkei und Armenien. Ein Projekt, dass von armenischen und türkischen Journalisten gemeinsam gestartet wurde. Frunzik Tadevosiam, ein armenischer Lehrer, erklärt dabei, dass es sich beim Konflikt zwischen den beiden Ländern um eine Feindschaft der Regierungen handelt. Der Zusammenhalt zwischen den Bevölkerungen sei stattdessen stark.

„Ich freue mich, türkische Journalisten in Yerevan zu sehen“, erklärt der pensionierte Englischlehrer Frunzik Tadevosiam. Der aus dem Gebiet Berg-Karabach stammende 70-Jährige verkauft mittlerweile Bücher auf dem armenischen Basar.

Im Gegensatz dazu steht die allgemeine Meinung, dass sich Armenier und Türken nicht ausstehen können. Die Diskussion um eine Anerkennung des Armenischen Völkermords flammt jedes Jahr aufs Neue auf. Die Türkei verteidigt die Ansicht, dass es sich bei den Vorkommnissen des Ersten Weltkriegs nicht um einen systematischen Völkermord gehandelt hat (Frankreich stellt sich dabei hinter die armenische Regierung – mehr hier).

Und auch der Berg-Karabach-Konflikt sorgt noch heute für Auseinandersetzungen. Noch immer kämpfen Aserbaidschan und Armenien um die Vorherrschaft in der Region. Immer wieder kam es in der Region zu blutigen Kämpfen (das Massaker von Xocalı ist einer der bekanntesten – mehr hier). Armenien betrachtet die Vorkommnisse im Gegensatz zu Aserbaidschan nicht als Völkermord. Sie sind der Ansicht, dass es bei Militäroperationen zu den Opfern kam. Dies läge allerdings auch an der Verhinderung einer Evakuierung durch Aserbaidschan. Die Türkei unterstützt hierbei Aserbaidschan.

Tadevosiam erklärt der Tageszeitung Zaman im Interview, dass es keine Feindschaft der Völker gäbe. „Die Türken und Armenier haben kein Problem miteinander. Das Problem besteht zwischen den Regierungen der beiden Länder“, sagt er. Deshalb sollten beide Regierungen ihre Ansichten übereinander ändern, damit es endlich zu einer Annäherung kommen könne.

Dieser Ansicht sind auch das Global Political Trends Center der Istanbul Universität für Kultur und die Eurasia Partnership Foundation in Yerevan. Leute wie Tadevosiam lernt die Gruppe von türkischen und armenischen Journalisten auch in der Türkei kennen. Zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses haben die beiden Organisationen nämlich gemeinsam türkisch-armenische Media-Touren für türkische und armenische Journalisten ins Leben gerufen. In gemischten Gruppen werden dann beide Länder erkundigt. Tadevosiam schöpft durch die Gruppe, die ihn während seiner Arbeit über seinen Eindruck befragt, neue Hoffnung für die zukünftige Beziehung zwischen Armenien und der Türkei.

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