Türkei: Zahl der ungedeckten Schecks wächst dramatisch

Die Zahl der ungedeckten Schecks hat 2012 in der Türkei ein historisches Hoch erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr sind 56,4 Prozent mehr Fällen zu verzeichnen, bei denen die ausgestellten Schecks ungedeckt waren. Der Plan, statt auf Haftstrafen auf präventive Maßnahmen zu setzen, ist somit nicht aufgegangen.

Die Zahl der ungedeckten Schecks in der Türkei ist im Vergleich zum Vorjahr um 56,4 Prozent gestiegen. Allein im Mai wurden 83.080 ungedeckte Schecks im Wert von über elf Milliarden Euro ausgestellt. Demnach beträgt die Zahl der ungedeckten Schecks 2012 bisher insgesamt 344.196 So hoch war die Zahl seit zwei Jahren nicht mehr. Das gab die Handelskammer von Istanbul (ITO) bekannt.

Der Grund für den starken Anstieg liegt allerdings auf der Hand. Seit Anfang des Jahres gibt es auf die Ausstellung ungedeckter Schecks keine Haftstrafen mehr. Zudem hätten sich die präventiven Maßnahmen der Regierung als unbefriedigend erwiesen, erklärte der ITO-Vorsitzende Murat Yalçıntaş. Es müsste noch viel mehr getan werden, um einen weiteren Anstieg des ungedeckter Schecks zu verhindern. „Die Türkei ist heute mehr denn je auf auf ein Zahlungsmittel wie den Scheck angewiesen. Es müssen so schnell wie möglich Maßnahmen ergriffen werden, die die Justiz nicht belasten und trotzdem die Wirtschaft nicht ins Stocken bringen. Das Scheck-Informationssystem ist zwar nützlich, aber an den Zahlen sehen wir, dass es nicht ausreichend ist“, so Yalçıntaş.

Erst Anfang April hatte das Kreditbüro der Türkei (KKB) im Auftrag des Bankenverbands das sogenannte Scheck-Informationssystem eingeführt. Wer einen Scheck ausstellen möchte, zeigt vorher seinen Scheck-Bericht vor. Diesen erhält er auf Anfrage bei seiner Bank, die ihm bescheinigt, ob seine bisherigen Schecks gedeckt waren und wie seine Zahlungsgewohnheiten aussehen. Somit kann jeder selbst entscheiden, ob er einen neuen Scheck annimmt. Zu diesem Zeitpunkt hieß es, diese Methode sei um ein vielfaches besser als eine Haftstrafe.

Doch das hat sich nun als Irrtum erwiesen. Um die Wirtschaft weiterhin am Laufen zu halten, solle ein Garantiesystem eingeführt werden – und das am besten sofort, fordert Yalçıntaş. Auch wenn der Scheck nicht gedeckt sei, müsse der Geschädigte den Betrag von seiner Versicherung erhalten können. Solch eine Risikoversicherung steigere zudem das Vertrauen in Schecks und könne so auch wieder das Wachstum fördern (zur Wachstumsförderung will die Regierung auch das Gold der Bürger mobilisieren – mehr hier).

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