Uludere: Kann ein Grenzübergang weitere Massaker verhindern?

Die Nacht, Ende Dezember 2011, ist unvergessen: Durch eine verheerende Fehleinschätzung des türkischen Militärs kamen 34 Zivilisten ums Leben. Ein neues Grenztor zwischen dem südöstlichen Dorf Uludere und dem Nordirak könnte Sicherheit schaffen. Hochrangige Politiker und lokale Gemeindemitglieder begrüßen die Idee. Doch es gibt auch Vorbehalte.

„Das war eines der ersten Dinge, die wir von Einheimischen hörten als wir kurz nach dem Massaker am 28. Dezember in Uludere eintrafen. Sie sagten, wenn es ein Grenztor zwischen dem Irak und ihrem Dorf gegeben hätte, dann wäre dieses Massaker nie passiert“, so CHP-Abgeordneter Sezgin Tanrıkulu gegenüber den türkischen Medien. Wie Tanrıkulu weiter ausführt, gehöre das Schmuggeln seit vielen Jahren zur Lebensrealität in dieser Region, doch eine Rechtsgrundlage sei hier dringend notwendig.

BDP-Abgeordneter: AKP-Regierung will nur ablenken

Sein Kollege von der BDP, Sebahat Tuncel, hält das Ganze jedoch für ein Manöver der Regierung, um „die Gesellschaft zu täuschen“. Seiner Ansicht nach sei die Eröffnung eines Grenztors keine Anwort auf das Massaker von Uludere. Das, was die kurdische Gesellschaft brauche, sei Gerechtigkeit, keine Ausreden. „Nach dem Massaker versuchten sie [Mitglieder der Regierung] die Menschen auf vielerlei Wegen davon abzubringen, Gerechtigkeit einzufordern. Sie versuchten die Leute durch die Zahlung von Schmerzensgeld vergessen zu machen, was vorgefallen war. Doch das gelang ihnen nicht.“ (jede Opferfamilie erhielt rund 50.000 Euro – mehr hier)

Grenztor bringt sozialen Frieden in die Region

Ganz anderer Ansicht ist hingegen Osman Geliş, Leiter der Handelskammer von Şırnak. Er glaubt, dass ein solches Grenztor nicht nur wirtschaftlichen Nutzen habe, sondern darüber hinaus auch sozialen Frieden in die Region bringen würde. „Handelsminister Hayati Yazici erzählte uns vor gut zwei Monaten davon. Die Menschen in der Region waren begeistert. Diese Menschen brauchen einen Weg, um zu überleben, sie brauchen ein Tor, um Handel zu betreiben.“

Der Wille hierzu, so erklärt AKP-Abgeordneter İhsan Şener, sei in der Regierung immer vorhanden gewesen. „Das Militär hat die landwirtschaftliche Nutzung eines Teils des Landes untersagt. 4000 Menschen können dieses Gebiet nicht nutzen, um ihre Schafe zu hüten. Sie müssen einen Weg finden, ihren Lebensunterhalten zu verdienen. Ich habe mit dem Minister für Zoll und Handel gesprochen. Im Augenblick gibt es Vorbereitungen ein solches Grenztor zu eröffnen. Zwischen Uludere und dem Nordirak wird es ein neues Grenztor geben“, so Şener weiter. Ein solches Vorhaben wurde überdies auch schon vom türkischen Innenministerium erklärt, so Hayati Yazıcı bereits im Januar dieses Jahres.

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