Faszinierendes Foto-Projekt: NGO dokumentiert Wildtiere in Ost-Anatolien mit Bewegungskameras

Die Kameras agieren ohne das Zutun des Menschen. Sie dokumentieren unberührte Natur und wilde Tiere, die der Zivilisation sonst verborgen bleiben. Mit Hilfe eines Projekts der Umwelt-NGO KuzeyDoğa sind jetzt seltene Einblicke möglich. Seit 2008 wurden im Osten Anatoliens gut 11.000 Fotos mit so genannten Bewegungskameras aufgenommen.

Insgesamt 16 dieser speziellen Kameras wurden in der ostanatolischen Region platziert, um das einzufangen, was während der Anwesenheit von Menschen wohl nicht gelingen würde. Im Sarıkamış-Allahüekber-Dağları-Nationalpark und den umliegenden Wäldern zwischen den Grenzen von Kars und Erzurum erstellen sie seit gut vier Jahren die für die Türkei äußerst seltenen Bilder (die Türkisch Van kann im Internet beobachtet werden – mehr hier).

11.000 Bilder – 3000 zeigen wilde Tiere

Die durch Bewegung auslösenden Kameras sind äußerst empfindliche Aparate, die unter Umständen auch vom Wind aktiviert werden können. Zu sehen sind deshalb nicht nur Tiere, sondern auch Wolken und manchmal sogar Menschen, die zufällig an ihnen vorbei kommen. Nur gut 3000 der insgesamt 11.000 Bilder enthalten deshalb tatsächlich Tiere in ihrer natürlichen Umgebung.

Wie Emrah Çoban, wissenschaftlicher Koordinator von KuzeyDoğa, gegenüber der türkischen „Radikal“ erklärt, hätte es die ersten Versuche mit einer solchen Kamera bereits 2006 in Sarıkamış gegeben. Und heute? „Wir arbeiteten in einem zwei mal zwei Kilometer großen Gebiet im Nationalpark und im umliegenden Wald, um das Verhalten der dort aktiven Tiere zu studieren.“

Mittlerweile hat die Vereinigung das Projekt „Tier-Korridor“ ins Leben gerufen, um so den Konflikt zwischen wilden Tieren und den Menschen zu entschärfen. Im Zuge dessen wurde auch ein Vertrag mit dem Ministerium für Forstwirtschaft geschlossen. Das Ziel des Projektes ist es, die Waldfläche in neun Bezirken und 44 Dörfer in Erzurum, Kars, Ardahan und Artvin zu einem 82-Kilometer-Streifen zu vereinen. Die Arbeit, so stellt Çoban in Aussicht, könnte für mindestens fünf Jahre fortgesetzt werden und dass die Aufforstung im Jahr 2013 auf einer Fläche von 7.000 Hektar beginnen würde. „Wenn alles fertig ist, erstellen wir einen Wald-Korridor auf einem 23.000 Hektar großen Gebiet. Wir brauchen mehr Bewegungskameras. Wir brauchen Unterstützung aus den Ministerien und von Sponsoren.“

„Die Leute fällen Bäume, um Kameras zu stehlen“

Das ganze Projekt steht und fällt aber nicht nur mit weiterer finanzieller Unterstützung, sondern wird auch durch den Menschen selbst boykottiert. Wie Çoban weiter berichtet, zerstörten die Menschen die Natur mehr als die Tiere. „Von unseren 16 Kameras wurden vier gestohlen. Wir befestigen sie aus Sicherheitsgründen mit Ketten an den Bäumen. Doch sie fällen die Bäume. Zwei Kameras wurden von Bären zerstört, weil sie an ihnen den Geruch von Menschen wahrgenommen haben.“

Mittlerweile gibt es aber auch spannende Erkenntnisse: So würden drei verschiedene Wolfsrudel im Nationalpark leben. Von ihnen gäbe es eine ganze Reihe an Fotos. „In einem Rudel leben zwischen sechs und sieben Wölfe. Durch dieses Projekt ist man erstmals überhaupt in der Türkei so dicht an sie herangekommen. An den Hälsen von zwei Wölfen wurden Transmitter angebracht. Die beiden Wölfe heißen Kuzey und Doğa. Wir verfolgen sie die ganze Zeit. Nach 52 Wochen fällt der Sender an ihrem Hals automatisch ab. Dann werden wir sie lokalisieren und neue anbringen.“ Im Rahmen des Projektes konnte auch erstmals in der Türkei eine Wildkatzenfamilie auf Film eingefangen werden. „Wir haben herausgefunden, dass sie zumeist Kaninchen fressen und wir vermuten, dass sie auch Rehe verspeisen“, fasst Çoban die ersten Erkenntnisse zusammen (kürzlich wurden zwei gefangene Delphine zurück in die Freiheit entlassen – mehr hier).

Hier geht es zur Seite der Organisation.

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