„Arbeitet, betet nicht!“: Neue Vorwürfe gegen Toyota in der Türkei

Neue Gerüchte um Toyota in der Türkei: Jetzt behauptet ein ehemaliger Mitarbeiter, dass ihm und seinen gläubigen Kollegen erklärt worden sei, dass ihre Arbeit auch eine Form des Gebets wäre. Hintergrund: Sie hatten darum gebeten, ihre Mittagspause verlegen zu dürfen, um am Freitagsgebet teilnehmen zu können.

Erst Ende Mai gab es Behauptungen, wonach angeblich mehr als 140 Mitarbeiter von Toyota in der Türkei auf Grund ihrer Religion entlassen worden sein sollen (Ayhan Sefer Üstün, Präsident der Parlamentarischen Kommission für Menschenrechte, forderte das Unternehmen auf, den Vorwürfen nachzugehen – mehr hier). Jetzt sind neue Vorwürfe aufgetaucht.

Fuß-Waschung in der Toilette nicht gestattet

Gegenüber der türkischen Zeitung „Zaman“ erklärte der 43-jährige N.E., dass er vom Management des japanischen Autobauers in der türkischen Fabrik wegen seines Glaubens stets unter Druck gesetzt worden sei. Seinen Behauptungen zufolge, habe es am 24. Mai ein Meeting des Managements mit den Mitarbeitern der Lackiererei gegeben. Darin soll ihnen erklärt worden sein, dass sie ihre Arbeit auch am Mittag fortzusetzen hätten – zu einer Zeit, zu er für viele eigentlich das Freitagsgebet ansteht. Darüber hinaus beschuldigte er die Werksleitung, es den religiösen Mitarbeitern schwer gemacht zu haben, ihre religiösen Waschungen durchzuführen. Angeblich habe es in den Toiletten Schilder mit der Aufschrift gegeben, die deutlich machte, dass das Waschen der Füße hier untersagt sei. Auf der anderen Seite hätte es aber auch keine speziellen Becken für diese Zwecke gegeben. Die Schlussfolgerung von N.E.: „Was sie tatsächlich tun, ist, die Angestellten davon abhalten, ihren Glauben auszuüben.“ Weggenommen worden sein soll ihnen außerdem auch ein Stück Pappe, auf dem sie zuvor, anstelle eines Teppichs, immer gebetet hätten (türkische Arbeitgeber gehören übrigens mit zu den optimistischsten weltweit – mehr hier).

Managment soll Mitarbeiter aufgefordert haben nicht zu beten

„Trotzdem haben wir versucht, unsere religiösen Pflichten zu beachten“, so er einstige Mitarbeiter, der 18.5 Jahre bei Toyota, zeitweise als Chef der Qualitätskontrolle, beschäftigt war, weiter. Eines Tages hätten ihn dann die stellvertretenden Generalmanager zu sich gerufen. „Sie fragten mich, ob ich täglich beten würde und ich sagte ihnen, dass ich das tue. Dann erklärten sie mir, dass sie nicht wollten, dass ich das weiterhin tue. Ich sei ein fleißiger Mitarbeiter, doch sie befürchteten, dass ich vor den Karren einer Sekte gespannt worden sein könnte.“

Erst letzten Monat erklärte der ehemalige Generalmanager der Toyota-Fabrik in Boshoku, die Teile für die Toyota-Fahrzeuge produziert, in einem Brief, der – wie viele andere Schilderungen ehemaliger Mitarbeiter – an die zuständige Kommission des türkischen Parlaments versendet wurde, wie das Unternehmen ihn behandelte. In dem Dokument, das auch der türkischen Tageszeitung “Star” vorliegt, behauptete er, er sei wegen dem Nachgehen seiner religiösen Pflichten zum Rücktritt gedrängt worden. “Mir war die Teilnahme am Freitagsgebet verboten. Ich wurde beschuldigt Mitglied einer islamistischen terroristischen Vereinigung zu sein – nur weil ich betete”, zitierte ihn darauf hin die “Star” ohne seinen Namen zu nennen. Dabei sei das Freitagsgebet in der Zeit seiner Mittagspause gewesen. Das sei ihm allerdings verboten worden, damit er dem Rest der Belegschaft nicht als Vorbild diene. Man habe ihn sogar so unter Druck gesetzt, dass er sich in psychologische Behandlung begeben musste. Nach seinem Rücktritt habe das Unternehmen ihm eine sehr hohe Abfindung gezahlt. Das, so der ehemalige Mitarbeiter, sei geschehen, weil das Unternehmen sich der eigenen Schuld bewusst gewesen sei.

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