Neues Kapitel zwischen Türkei und Frankreich aufgeschlagen: Erdoğan trifft sich mit Hollande

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat sich am vergangenen Mittwoch mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande in Rio de Janeiro getroffen. Beide Politiker unterstrichen die Notwendigkeit, nach einer diplomatisch äußerst schwierigen Zeit, nun ein neues Kapitel in den bilateralen Beziehungen aufzuschlagen.

Das Treffen zwischen Erdoğan und Hollande fand am Rande des Rio+20 Gipfels der Vereinten Nationen statt. Während ihrer Zusammenkunft einigten sich die beiden darauf, eine neue Seite in ihren bilateralen Beziehungen, insbesondere der wirtschaftlichen Beziehungen, aufzuschlagen. Auch ein Beitrag zum Antrag für eine EU-Mitgliedschaft der Türkei solle geleistet werden. Daneben tauschten sich die Politiker über regionale und internationale Themen aus (um die beidseitigen Beziehungen zu verbessern, kündigte Hollande erst kürzlich an, das Genozid-Gesetz überdenken zu wollen – mehr hier).

Recep Tayyip Erdoğan lädt Francois Hollande in die Türkei ein

Beide unterstrichen überdies die Bedeutung der Wahrung des Willens der syrischen Bevölkerung, bei gleichzeitiger Gewährleistung eines demokratischen Wandels im Land, der so bald wie möglich vonstatten gehen müsse (zuletzt hatte auch der russische Präsident Putin Assad fallengelassen – mehr hier). Im Zuge ihres Treffens verwies Erdoğan übrigens auch auf den Umstand, dass zuletzt vor gut 20 Jahren ein französischer Präsident in der Türkei zu Gast gewesen sei. Gleichzeitig sprach er Hollande eine Einladung zu einem Besuch aus, die von Hollande positiv aufgenommen wurde.

Schon jetzt scheint sich der Wind in der türkisch-französischen Beziehung deutlich gedreht zu haben. Noch vor kurzem, zur Zeit von Nicolas Sarkozy, sah das jedoch ganz anders aus. Sowohl das Thema EU-Beitritt als auch das umstrittene Genozid-Gesetz trieben sukzessive einen Keil zwischen die beiden Staaten (in der Türkei wurde die Wahl Hollandes bejubelt – mehr hier).

Außenminister Ahmet Davutoğlu am 5. Juli in Paris zu Gast

Nach seinem Treffen mit Hollande, das berichtete der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu gegenüber CNN Türk, habe der Premier wichtige Anweisungen gegeben. „Auf Grund der neuen Position Frankreichs fallen Sanktionen aus der Agenda.“ Solche hatte die Türkei gegen Frankreich verhängt, nachdem die französische Nationalversammlung im vergangenen Dezember das umstrittene Genozid-Gesetz gebilligt hatte (so wurden der französischen Armee die Überflugsrechte entzogen – mehr hier). Darüber hinaus kündigte Davutoğlu an, dass er selbst am 5. Juli in Paris zu Gast sein werde. Auch er verspreche sich eine Menge von diesem Treffen und hoffe, dass die Stagnationen in den beidseitigen Beziehungen danach beigelegt werden könnten. Hollande habe sich ihm jedenfalls als willensstarke Persönlichkeit präsentiert, der die Probleme der Vergangenheit aus dem Weg räumen wolle. Das Treffen mit Erdoğan sei definitiv ein guter Start für eine Wendung zum Besseren hin.

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