Ende der Abtreibungsdebatte à la francaise: Türkei sollte Kondome an Schulen verteilen

Ob die Vorsitzende der Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Türkei sich da nicht mal zu weit aus dem Fenster gelehnt hat. Die einstige Bauingeneurin und Mathematiklehrerin Hélène Flautre hat vorgeschlagen, statt Abtreibung in der Türkei zu verbieten, mit der Verteilung von Kondomen in Schulen zu beginnen.

Die 1958 in Bapaume, Frankreich, geborene Flautre (Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz) erklärte während einer Auseinandersetzung um das Thema Abtreibung zwischen Abgeordneten der CHP und der regierenden AKP, ganz frei heraus: „Verteilt Kondome an den Schulen, anstatt Abtreibung zu verbieten.“

Ihr unkonventioneller Vorschlag, so berichtet die türkische „Hürriyet“, sorgte jedoch vor allem bei der AKP für wütende Reaktionen. Die AKP-Abgeordnete Halide İncekara zeigte sich fassungslos: „[Helene Flautre] spricht von Gymnasien. Ich verstehe die Mentalität der EU nicht. Alle schlafen miteinander, aber sie heiraten nicht. Sie verteidigen sexuelle Freiheit. Sie haben keine Maßnahme, um Schwangerschaften in jungen Jahren zu verhindern. Sie sprechen nur über den Schutz mit Kondomen.“

Flautre unterzeichnet Offenen Brief an Erdogan

Flautre hat erst vor wenigen Tagen auch einen Offenen Brief an den türkischen Premier Erdogan unterzeichnet, indem die Kritiker, unter ihnen auch der deutsch-französische Politiker Daniel Cohn-Bendit, Silvana Koch-Mehrin und Alexander Graf Lambsdorff, am 14. Juni 2012 ihre große Besorgnis anlässlich seiner jüngsten Äußerungen zu Abtreibungen und Kaiserschnitten dargelegt hatten (hier geht es zum Original).

Mittlerweile ist die Regierung, türkischen Medienberichten zufolge, von ihren Verbotsplänen abgerückt. Zwar werde es eine Neuregelung geben, die bisher legale Zehn-Wochen-Frist solle allerdings nicht angetastet werden (nur noch qualifiziertes Personal in allgemeinen Krankenhäusern darf künftig solche Eingriffe durchführen – mehr hier)

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