Türkei: Nach Jet-Abschuss bestellt Erdogan Generäle zu Beratung ein

Wie wird die Türkei auf den Abschuss einer ihrer Aufklärer reagieren? Wird die ohnehin bis zum Bersten angespannte Lage zwischen den beiden Nachbarländern eskalieren? Wie fallen die angekündigten "notwendigen" Schritte aus? Fragen über Fragen, die derzeit nicht nur die Bevölkerung der beiden Länder beschäftigten. Auch an der Führungsspitze verdichten sich die Diskussionen: Premier Erdogan hat seine Generäle nun bereits zur zweiten Beratung einbestellt.

Der Abschuss einer türkischen F-4 dürfe, so das Appell aus Syrien, nicht als Angriff gewertet werden. (Foto: DTN)

Der Abschuss einer türkischen F-4 dürfe, so das Appell aus Syrien, nicht als Angriff gewertet werden. (Foto: DTN)

Gemeinsam mit dem türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu und anderen politischen wie militärischen Führern hat sich Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erneut zurückgezogen, um die weitere Strategie nach dem überraschenden Vorfall am vergangenen Freitag zu diskutieren (bereits am Samstag wurde angekündigt, dass die Türkei ” die notwendigen Schritte” unternehmen werde – mehr hier).

Unterdessen versuchen Repräsentanten beider Ländern eine Deeskalation der Lage herbeizuführen, bevor es doch noch zu einem regionalen Flächenbrand kommt. Immerhin, Vergeltung hat die Türkei bereits angedroht. Wie diese konkret ausfällt, das liegt bisher noch im Dunkeln. Syrien wirft man jedenfalls vor, den Jet “ohne jede Vorwarnung” vom Himmel geholt zu haben. Derweil betont Syrien vehemennt, dass der Abschuss des Aufklärers keine Absicht gewesen sei. Der Jet sei in den syrischen Luftraum eingedrungen. Dass es sich um ein türkisches Flugzeug handelte, habe man erst erkannt, als das Feuer bereits eröffnet gewesen sei.

Jihad Makdissi: Abschuss war ein Unfall, kein Angriff

So stellte der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Jihad Makdissi, gegenüber dem türkischen Nachrichtensender “Haber” heraus: “Der Abschuss erfolgte im syrischen Luftraum und sollte als ‘Unfall und sicherlich nicht als Angriff’ bewertet werden.” Es sei kein feindlicher Akt gegenüber der Türkei gewesen, sondern nur ein Akt der Verteidigung der eigenen Souveränität. Syrien, so fährt er fort, habe keinerlei Feindseligkeiten gegenüber der türkischen Regierung oder dem türkischen Volk. Im Zuge der Suchaktion nach den beiden Piloten hätten, so stellten Makdissi und der türkische Präsident Abdullah Gül bereits heraus, syrische und türkische Rettungsteams zusammengearbeitet.

Zur Besonnenheit hinsichtlich weiterer Schritte mahnt auch der Stellvertretende Ministerpräsident Bülent Arinc. Die Türkei, so zitieren ihn die türkischen Medien, müsse “ruhig bleiben und eine Provokation vermeiden”. Auch CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu schloss sich dieser Haltung an. Zwar sei der Abschuss des Flugzeugs inakzeptabel, doch auch er mahnt, einen kühlen Kopf zu bewahren: “Alle diplomatischen Kanäle müssen geöffnet bleiben. Wir erwarten eine besonnene Bewertung des Zwischenfalls.”

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon lobt türkische Zurückhaltung

Noch ist allerdings alles offen: Kommt es doch noch zu einer militärischen Intervention oder lediglich zu weiteren Sanktionen, darunter etwa die Forderung von Entschädigungszahlungen und einer Entschuldigung (diese Frage hält auch das Verhältnis zu Israel weiterhin angespannt – mehr hier), gegenüber dem einstigen “Freund”? Besorgt darüber zeigte sich auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in einem Telefongespräch mit dem türkischen Außenminister. Darin, so berichtet die türkische “Zaman”, habe Ban Ki-moon die bisherige Zurückhaltung der Türkei gelobt. Er forderte beiden Seiten dazu auf, die Situation “diplomatisch” zu lösen.

UPDATE:

Inzwischen hat die Türkei eingeräumt, dass ihr Aufklärer, der sich auf einem Übungsflug befunden haben soll, den syrischen Luftraum aus Versehen verletzt habe. Hier sei es allerdings nicht zum Abschuss gekommen. Dieser, so heißt es weiter, sei in internationalem Luftraum erfolgt. Jetzt fordert Ankara eine Nato-Sitzung am kommenden Dienstag. In dieser außerordentlichen Zusammenkunft soll dann geklärt werden, ob Syrien tatsächlich unrechtmäßig gehandelt hat.

Am frühen Sonntagnachmittag dann eine weitere Neuigkeit: Die syrische Luftabwehr hat das Wrack des abgestürzten Jets ausfindig machen können. Laut Medienberichten liegt die unbewaffnete F-4 “Phantom” in einer Tiefe von gut 1000 Metern im Mittelmeer.

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