Türkei nennt Jet-Abschuss durch Syrien einen „feindseligen Akt“

Zwei Tage nach dem Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges vom Typ F4 durch das syrische Militär hat die Türkei nach ersten vorsichtigen Worten nun eine deutliche Sprache gefunden. Sie bezeichnet den Vorfall als "feinseligen Akt" und beruft unter Bezugnahme auf Artikel 4 Nato-Charta ein Krisentreffen in Brüssel ein.

Offenbar betrachtet das Nato-Mitglied Türkei seine Sicherheit als gefährdet. Denn zwei Tage nach dem Abschuss eines türkischen Aufklärers, der versehentlich den syrischen Luftraum verletzt, dann jedoch überhalb der internationalen See ohne Vorwarnung von syrischen Sicherheitskräften abgeschossen wurde, verlangt die Türkei nun ein außerordentliches Treffen der Nato-Mitglieder. Voraussichtlich am kommenden Dienstag treffen sich die Botschafter aller 28 Staaten im Hauptquartier der Nato in Brüssel, um jetzt, da die Türkei laut türkischem Außenminister Ahmet Davutoglu alle Informationen über die Lage gesammelt habe, zu beraten.

Ahmet Davutoglu telefoniert mit Amtskollegen

Der Außenminister, der Syrien beschuldigt, bewusst Desinformationen zu streuen, suchte in den vergangenen Tagen das Gespräch mit seinen Amtskollegen aus den USA, Russland, Frankreich, England, Deutschland und China sowie mit Saudi-Arabien und Jordanien. Daneben konsultierte Davutoglu die EU-Außenbeauftrage Cathrine Ashton, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie den Generalsekretär der Arabischen Liga. Die Stimmung scheint ausgelotet, die Positionen klar: „Niemand sollte die Entschlossenheit der Türkei bezweifeln, das Nötige zu tun“, erklärte Außenminister Davutoglu nun an diesem Sonntag im türkischen TV. Was dieses „Nötige“ allerdings konkret bedeuten könnte, das ließ er offen (bereits am Samstag wurde angekündigt, dass die Türkei ”die notwendigen Schritte” unternehmen werde – mehr hier).

Diplomatische Note an das syrische Konsulat in Istanbul

Derweil bezeichnet Syrien den Abschuss beharrlich als Akt der Selbstverteidigung. Die Türkei wertet das Vorgehen, trotz aller gegenteiliger Versicherungen, (der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Jihad Makdissi, betonte, dass es sich nicht um einen feindlichen Akt gehandelt habe – mehr hier) jedoch als Provokation – zwischen Erkennung des Flugzeugs durch die Syrer und Abschuss verstrichen nur Augenblicke – und erklärt den Jet-Abschuss in einer diplomatischen Note an das syrische Konsulat in Istanbul zu einem „feindlichen Akt“, den man nicht ohne „entschlossene Reaktion“ hinnehmen könne. Dass die Türkei einen militärischen Alleingang starten könnte, scheint allerdings ausgeschlossen. Wie der türkische Außenminister weiter erklärte, werde die Türkei „nicht alleine handeln“. Weiter kündigte er laut türkischen Medienberichten an, den Fall auch dem UN-Sicherheitsrat vorzubringen.

Mittlerweile konnten die Koordinaten des abgestürzten Jets ausgemacht werden, das Wrack allerdings noch nicht. Auch über das Schicksal der zwei Piloten herrscht derweil noch keine Klarheit.

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