Keine Chance gegen Einheimische: Französische Kette Carrefour verlässt wohl den türkischen Markt

Während sich die diplomatischen Wogen zwischen der Türkei und Frankreich langsam wieder glätten, sorgen Gerüchte über einen Exit des französischen Unternehmens Carrefour vom türkischen Markt für Gesprächsstoff. Es wird vermutet, dass das größte Einzelhandelsunternehmen Europas und nach Wal-Mart das zweitgrößte weltweit seinen Rückzug bereits in Kürze bekannt geben wird und mit ihm, so heißt es nun, sogar eine zweite Kette ihren Hut nehmen wird.

Wie Erol Ersan, Vorstandsvorsitzender der türkischen Einzelhandelskette KİM, gegenüber der türkischen Tageszeitung „Zaman“ erklärt, erwarte er, dass sich dem vermuteten Austritt von Carrefour aus dem türkischen Markt ein weiteres Unternehmen anschließen werde. Als hauptursächlich für diesen Exit sieht Ersan Schwierigkeiten der ausländischen Ketten im Wettbewerb mit heimischen Konkurrenten an. Um welche zweite Kette es sich genau handelt, darüber schweigt sich der Markt-Experte allerdings aus.

Türkische Anbieter können schneller und gezielter reagieren

„Viele ausländischen Ketten haben Schwierigkeiten die Gewinne in der Türkei einzufahren, die sie sonst gewohnt sind. Lokale Anbieter haben gelernt, wie sie die türkische Kundschaft mit effektiver Werbung anziehen. Und sie arbeiten hart“, fasst Ersan die Situation zusammen (türkische Arbeitgeber gehören weltweit mit zu den optimistischsten – mehr hier).

Dennoch: Ein Blick auf den lokalen türkischen Einzelhandel zeigt, keines der türkischen Unternehmen hat es bis an die Spitze der größten Anbieter geschafft. Das Potential ist allerdings riesig: Es wird erwartet, dass der Markt in diesem Jahr ein Geschäftsvolumen von 315 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet – bis 2015 sollen es bereits 421 Milliarden sein – und bis 2016 ein jährliches Wachstum von gut zehn Prozent an den Tag legen wird.

Zu den größten ausländischen Playern auf dem türkischen Markt gehören, neben Carrefour, Migros und Tesco Kipa. „Ausländische Ketten haben damit begonnen türkische Konkurrenten zu kopieren, da sich letztere relativ betrachtet besser auf dem Markt positionieren können. Lokale Ketten können schneller auf die sich ändernden Bedürfnisse und Trends der Verbraucher reagieren als ihre ausländischen Konkurrenten. Vor zwei Jahren war das noch nicht der Fall“, führt der KİM-Chef weiter aus.

Einzelhandel soll sich gen Mittlerer Osten orientieren

Zuvor hatte KİM angekündigt, unter die Top Five der Einzelhändler in der Türkei kommen zu wollen. Allein im vergangenen Jahr wuchs die Gruppe um 24 Prozent gegenüber dem Jahr 2010. Für dieses Jahr erwartet man die gleiche Performance. Außerdem sollen 400 neue Mitarbeiter eingestellt und drei neue Geschäfte im Nordirak eröffnet werden. „Die erste Filiale wird Ende Juli in Arbil eröffnet werden. Die zweite wird in Sulaimaniya entstehen.“

Wie Ersan herausstellt, sei es für türkische Einzelhändler besonders wichtig weiter in die schnell wachsenden Märkte im Mittleren Osten vorzudringen und sich in Einkaufszentren in der gesamten Region zu platzieren. „Saudi-Arabien zum Beispiel ist ein Zielmarkt, auf dem wir unsere Exporte steigern können. Sie kaufen die meisten ihrer Produkte in Brasilien. Wir müssen unsere geographische Nähe herausstellen, die relativ höhere Qualität und die bessere Preisvorteile.“ (doppeltes Einkommen ist bei türkischen Familien kaum verbreitet – mehr hier).

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