Uraufführung der zweiten Symphonie: Standing Ovations für Fazıl Say

Bereits am vorletzten Wochenende kündigte der türkische Pianist Fazıl Say an, die Türkei im Zuge der Twitter-Affäre gen Japan verlassen zu wollen. Jetzt hat er seine Landsleute noch einmal beglückt. Die Weltpremiere seiner zweiten Symphonie "Mesopotamia" erntete am vergangenen Samstag beim 40. Istanbul Music Festival stehende Ovationen von 3000 begeisterten Zuschauern.

Das Stück, das im Auftrag der Istanbuler Stiftung für Kultur und Künste (İKSV) entstanden ist, die auch das Festival unterstützt, kam im Haliç Congress Center mit dem Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra (BIFO) unter der Leitung von  Gürer Aykal erstmals zur Aufführung.

In der ersten Hälfte des Konzerts spielte Fazıl Say Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll. Am Ende der ersten Hälfte kam der Virtuose dann für eine Zugabe zurück auf die Bühne, wo er das Publikum mit seinem Stück „Black Earth“ (Kara Toprak) ‚Schwarze Erde‘, eine Hommage an Aşık Veysel, erfreute. Die zweite Hälfte des Abends war dann „Mesopotamia“ vorbehalten. Eine Symphonie, die der Komponist selbst als sein „Meisterstück“ bezeichnet (die Istanbuler Staatsanwaltschaft hatte aufgrund der Anzeige einer Privatperson die Ermittlungen gegen den weltbekannten Pianisten aufgenommen – mehr hier).

„Mesoptamia“ geschrieben für 130 Musiker

„Mesoptamia“ ist ein Werk mit 55 Minuten Länge, ausgelegt für ein 130 Mann starkes Orchester. Sie Symphonie besteht aus insgesamt zehn Sätzen: Zwei Kinder auf dem Land“ „Der Tigris“, „Über die Kultur des Todes“, „Melodrama“ „Der Mond,“ Die Sonne“,“Die Kugel“,“Der Euphrat“, „Vom Kriege“ und „Klagelied Mesopotamien“.

Die Symphonie erinnert an Szenen auf dem Land zwischen Südostanatolien und dem Persischen Golf. Dabei geht ihr 42-jähriger Schöpfer jedoch weit über die bloße Darstellung einer Landschaft hinaus. Es ist eine romantische symphonische Dichtung mit einem stärkeren Fokus auf die kulturelle Wahrnehmung der nahöstlichen Region durch den Einsatz von konstruktiven und dekonstruktivistischen Elementen. Mit den Sätzen „Über die Kultur des Todes“ und „Die Kugel“ illustriert er zudem den langjährigen Konflikt im Nahen Osten mit einem Funken der Hoffnung auf eine Lösung (der Prozess gegen Say soll Mitte Oktober beginnen – mehr hier).

Hier ein kurzer Einblick in eine Probe:

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