Flugzeugabschuss: EU-Minister mahnen Türkei zur Zurückhaltung

Die EU-Außenminister der Europäischen Union haben an diesem Montag von der Türkei eine besonnene Reaktion auf den Abschuss eines Jets durch syrische Militärs gefordert. Sie kündigten an, den Druck auf den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu erhöhen. Unterdessen sollen die Stiefel der abgestürzten türkischen Piloten gefunden worden sein.

Catherine Ashton fordert nach dem Jet-Abschuss von der Türkei einen kühlen Kopf. (Foto: DTN)

Catherine Ashton fordert nach dem Jet-Abschuss von der Türkei einen kühlen Kopf. (Foto: DTN)

“Wir sind über das, was passiert ist, sehr betroffen und bangen mit den Familien der vermissten Piloten”, erklärte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Man erwarte, so Ashton weiter, dass die Türkei besonnen auf den Vorfall reagiere (der türkische Geheimdienst glaubt an absichtlichen Abschuss – mehr hier).

Die Minister trafen sich einen Tag vor dem außerordentlichen Nato-Treffen in Brüssel, auf dem beraten werden soll, wie auf den Abschuss eines türkischen Jets durch das syrische Militär zu reagieren ist, im Rahmen einer regelmäßigen Konferenz in Luxembourg. Die Türkei vertritt derzeit den Standpunkt, dass syrien das unbewaffnete Aufklärungsflugzeug über internationalen Gewässern und ohne Vorwarnung abgeschossen hätte.

EU-Minister setzen auf weitere Sanktionen gegen Syrien

Wie ein EU-Beamter erklärte, hätten die Minister einen Regimevertreter sowie sechs Firmen und öffentliche Institutionen auf die Schwarze Liste gesetzt. Das bedeutet ein Einfrieren der Konten in Europa und Einreiseverbote. Bisher hat die EU über mehr als 100 Personen ein Visumsverbot und das Einfrieren von Vermögenswerten verhängt, die mit den gewaltsamen Niederschlagungen gegen die syrische Zivilbevölkerung zu tun hatten. Der britische Außenminister William Hague forderte nun verstärkten Druck auf Syrien. Er erklärte, dass die Lage “sehr ernst” genommen werden müssen, merkte jedoch an, dass der Jet-Abschuss die Situation in Syrien nicht grundlegend verändert habe. Er glaube nicht, dass nun eine neue Phase eingeläutet sei. Seiner Ansicht sei es nun wichtig, Assad mit weiteren Sanktionen zu begegnen. Andere Länder, so fährt er fort, während zudem sehr aktiv in ihrer Forderung nach einer weiteren Resolution des UN-Sicherheitsrates.

Bisher hat der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan Kriegsrhetorik vermieden. Dass es tatsächlich zu einer bewaffneten Anwort kommen könnte, halten Beobachter für unwahrscheinlich. In diese Richtung äußerte sich auch der niederländische Außenminister Uri Rosenthal: “Eine militärische Intervention steht außer Frage.” Das sei nicht nur der Standpunkt der Niederlande, sondern auch der Nato.

Türkische Piloten: Keine Hinweise auf Fallschirme

Unterdessen, so berichten derzeit die türkischen Medien, sollen die Stiefel der vermissten türkischen Piloten gefunden worden sein (ein herbeigeeiltes türkisches Rettungsflugzeug soll ebenfalls angegriffen worden sein – mehr hier). Das gab Recep Tayyip Erdoğan während eines Treffens mit den Oppositionsführern bekannt. Dort zeigte er Fotos der Stiefel. Fallschirme wurden nicht gefunden. Es steht zu befürchten, dass die Piloten auch nicht ihre Schleudersitze benutzt haben. Die türkischen See-und Luftstreitkräfte versuchen seit vergangenen Freitag Capt. Gökhan Ertan und Lt. Hüseyin Aksoy zu finden. Ein Schiff mit der notwendigen Technik, um eine detailliertere Suche des Gebiets durchzuführen, ist bereits in das Gebiet entsandt worden, um die laufenden Bemühungen der türkischen und syrischen Küstenwache zu unterstützen.

Darüber hinaus setzen sich derzeit erneut syrische Militärs in Richtung Türkei ab. Wie das türkische TV meldet, seien aktuell ein General, zwei Majore, zwei Oberste, ein Leutnant sowie 33 Soldaten mit ihren Familien ins Nachbarland übergelaufen. Insgesamt sind somit bisher 13 Generäle in die Türkei geflohen. Die Gesamtzahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei liegt im Augenblick bei gut 33. 000

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